Wake up mit Flo von der Band Freischwimma

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Wiener Mundart-Rocker mit neuer Besetzung und neuem Album
Wo Widersprüche keine sind und These und Antithese zur Synthese führen, dort sind die Wiener
Mundart-Rocker Freischwimma in neuer Besetzung rund um Mastermind Florian Kargl zuhause.
Am 10. Juni erscheint das neue Album „Brofezzeiung“ auf dem Indie-Label Between Music in
Zusammenarbeit mit ArGe-Musik.at und wird digital und auf Vinyl erhältlich sein. Aufgenommen
wurde es so, wie es heute kaum noch einer macht: Analog, in mehreren Live-Sessions – und bei
Vollmond.
„Dieses ganze Album ist ein Widerspruch in sich. Die
Texte sind düster und aus einer Zeit, in der es mir nicht
gut ging, aber genau daraus kam die Befreiung, die
glücklich macht“, leitet Florian Kargl ein. Der
Freischwimma Bandleader, der bereits mit seiner
damaligen Band gleichen Namens viel Medienecho
kreieren und Fans rekrutieren konnte, bezeichnet den
neuen Stil als „ehrlich, grad und laut“ und erzählt, wie es
dazu kam.
„Die Songs sind in einer einsamen Einsiedlerphase
entstanden, ich habe in einem Kellerloch im 2. Bezirk
gehaust und viel Barluft geschnuppert. Die Lieder sind
nach ein paar Demoversuchen aber wieder im Archiv der
unverbesserlichen Anfänge verschwunden“, so der
Musiker. Denn nach dem vorläufigen Ende der Freischwimma 2016 habe ihm der Mut und der
Glaube an seine Musik gefehlt. Auch mit der neuen Band Prater WG wollten diese Songs live nicht
so gelingen, wie Florian Kargl sich das vorgestellt hat. Doch die Ideen ließen ihn nicht los und so
folgte Jahre später der klare Entschluss, ein Bekenntnis zu sich selbst: „Ich will einfach nur
kompromisslos Musik machen. Laut und wüd owa scho a schee.“
Mit neuer Besetzung und neuem Konzept zurück zum Ursprung
Gesagt, getan: Florian Kargl nimmt Gitarre und Mikro in die Hand und lässt seine neue Vision der
Freischwimma Realität werden. Gemeinsam mit Tobias Neuwirth (Schlagzeug) und Jakob
Bachbauer (Bass) als neue Besetzung begibt er sich nach nur fünf Monaten im Probekeller zu
Produzent Thomas Pronai nach Oslip. Die Idee: Die Songs ohne Computer, ohne Schnitte, komplett
live und analog auf Tonband aufzeichnen. Und Florian Kargl griff noch tiefer in die Vintage-Kiste
und schaute sich einen alten Trick von Neil Young ab: Statt mehrere Takes von den einzelnen Songs
hintereinander aufzunehmen, hat die neu formierte Band alle Songs immer wieder in mehreren
Live-Sessions eingespielt. „Unser Ziel war es, das Hirn aus- und das Herz einzuschalten. Wir waren
komplett im Flow und es gab kein Herumtüfteln an einzelnen Noten, sondern nur uns, die Songs
und das große Ganze“, erinnert sich der Musiker. „Und den Vollmond! Und nach eineinhalb Tagen
waren wir auch schon fertig.“
Erst danach wurden die besten Takes der neun Songs rausgesucht. Und für eine einzige Nummer
weicht Kargl vom Konzept ab und spielt im Nachhinein eine zweite Gitarre ein. „Ohne zu wissen
was ich spielen werde, ist diese Gitarre ein One Take geworden. Zuerst Slide, dann Eskalation. Das
Ergebnis spricht für sich!“, ist Florian Kargl immer noch selbst überrascht von dem gelungenen
Experiment, mit dem er das authentische Live-Konzept weiterführt.
Durch die Trauer zum Glück
„Wir haben voll hasardiert, das Glück aufs Spiel gesetzt und wurden belohnt. Das Ergebnis ist die
Brofezzeiung, die jetzt dem Publikum ebenso Glück bringen soll“, sinniert Florian Kargl

„Prophezeiung stammt vom altgriechischen propheteía, ‚aussprechen, aussagen oder für jemanden
sprechen‘. Durch die Brofezzeiung sprechen wir für alle, die auch schon mal gelitten haben und
unglücklich waren. Unsere Brofezzeiung ist keine Predigt vor einem vergoldeten schön
rausgeputzten Altar der Belanglosigkeit, sondern ein distanzloses und unverwechselbares
Zwiegespräch zwischen den Musikern und den Hörer*innen. Musikalisch wie technisch die
Reduktion auf das Wesentliche. Der Sound ist so direkt und pur wie nur irgendwie möglich, mit
Ecken und Kanten zum Festhalten, mit Fehlern und Übermut. Nichts ist glattpoliert und
niederproduziert. Perfektion war nicht das Ziel, sondern absolute Offenheit ohne Rücksicht auf
Mode, Stil und Zeitgeist.“
Mundartphilosophie trifft ehrlichen Rock
Thematisch bewegt sich Kargl zwischen allerlei Menschlichem: er singt über unerwiderte
Verliebtheit, über Resignation („In dem Stabruch den wir Liebe nennen is Schichtwexsl“) und
Beziehungsenden (Koide Oschn) aber auch darüber, wie sich „Hoiwa Siewane“ von Heimkommzeit
zur Aufstehzeit gewandelt hat, seit er selbst Vater ist. In Tullamore channelt Kargl seinen inneren
Lonesome Cowboy und erzählt eine Geschichte, „die eigentlich ein ganzes Album füllen könnte“, wie
er sagt. Musikalisch zitiert er mal Rory Gallagher oder Led Zeppelin, verbeugt sich vor Neil Young
& Crazy Horse und gibt sich auch grungigen 90er-Tönen hin, bevor er wieder zu bluesigeren Noten
greift.

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