Niveau ist keine Hautcreme

Podcast
artarium
  • Niveau ist keine Hautcreme
    52:49
audio
52:49 Min.
Alles in allem ein Arschloch
audio
59:25 Min.
Kraina FM - Resistance Radio
audio
1 Std. 59:25 Min.
Anamnesis - Letter in a Bottle
audio
52:49 Min.
Es lebe die Republik!
audio
52:49 Min.
Gibt es Osterhasen?
audio
59:25 Min.
The Final Cut
audio
52:49 Min.
Reise Freiheit
audio
52:49 Min.
Diener des Volkes
audio
52:49 Min.
Lyapis Trubetskoy
audio
52:49 Min.
Da Stascheißa Koarl

Innehalten inmitten des inflationären Geplappers und unterscheiden. Zwischen leerem Geschepper und lebendiger Kunst. Sprache entlarvt. Zuverlässig. Hohle Phrasen sind kein Ersatz für das Eigene. Die stillste Zeit (wie auch immer sie zustandekommen mag) bietet Gelegenheit, genau hinzuhören. Mit allen Sinnen hinzuspüren, inwieweit der Mensch hinter den Worten auch etwas Wesentliches mitzuteilen hat. Oder ob da nur billiges Heischen um Zustimmung (Applaus, Reichweite, Gewinn) stattfindet, das uns seltsam ungesättigt zurücklässt. Sprache auf hohem Niveau bewirkt Verständnis, befördert Einsicht und Mitgefühl und ist zudem rundum wohlschmeckend. Nährwert, nicht Mehrheit. Nicht industrialisierter Leerraumfüllstoff im Menschenmassenmatsch.

Niveau ist keine HautcremeEin Fest der Freude im Radio? Na, dann freuen wir uns doch alle noch einmal über den endlichen Abgang des jüngsten Alt- bezw. längsten Kurzkanzlers aller Zeiten. Er war ein abschreckendes Beispiel für die Schändung der Sprache mit synthetischen Textbausteinen:  Pseudorhetorische Reizwortreihen, die an angemaßter Pose nur noch vom Liederwürgen eines Andreas Gabalier übertroffen werden. Aber fürchtet euch nicht, es gibt fürwahr hochkulturellere Abgänge zu vermelden. So legt unsere langjährige Lieblingsfestspielpräsidentin nach unglaublichen 26 Jahren ihr Amt nieder. Da machen wir uns jetzt aber schon Sorgen, denn an wem sollen wir uns künftighin reiben? Keine konnte so an einem zupfen wie sie! Ihre Bodenständigkeit war ein essenzieller Beitrag zur Identifikation auch der nicht so kunstinteressierten Bevölkerung mit der Institution der Salzburger Festspiele. Und bei aller gebotenen Kritik – wir verdanken ihr durchaus mancherlei Perlen niveauvoller Vortragskunst.

So empfahl sie uns “den wunderbaren Philosophen und Politiker Nida-Rümelin” und siehe da, wir sind mitten in den postitiven Beispielen für “jemand, der etwas zu sagen hat und der das auch verständlich und übereinstimmend tut”. Rhetorik ist eben ein Mittel der Kunst – entscheidend ist, ob dahinter ein Mensch steht oder ein Blob. Besonders deutlich kommt das im Lebenswerk von Georg Stefan Troller zum Ausdruck, der vor kurzem seinen 100. Geburtstag feierte und in einem beachtlichen Gespräch “sein geheimes Drehbuch” enthüllt. Es soll unser Schlusswort sein

Sein Portrait von Ron Kovic (Geboren am 4. Juli) ist Wahrheit in Menschengestalt.

 

Schreibe einen Kommentar