Lernens Geschichte

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Vor 50 Jahren gewann die SPÖ die absolute Mehrheit (am 10. Oktober 1971) und regierte sodann 12 Jahre lang mit Bruno Kreisky “das Labyrinth, in dem sich jeder auskennt” (Helmut Qualtinger). Was seine Kanzlerschaft damals für die Stimmung im Land bewirkte, dem haben wir in einer Sendung zu seinem 100. Geburtstag nachgespürt. Heute wollen wir seinen legendären Ausspruch “Lernens Geschichte” zum Anlass nehmen, etwas über die Hintergründe der aktuellen politischen Situation in Österreich herauszufinden. Die freundliche Einladung, Geschichte zu lernen, verstehen wir nämlich als Anregung, uns selbst ein Bild zu machen, und nicht als Aufforderung, nichts anderes denken zu dürfen als ausschließlich das von den jeweiligen Weltanschauern Vorgefertigte.

Lernens Geschichte (Bruno Kreisky Portrait von Otto Muehl)Vor wenigen Tagen musste Sebastian Kurz wegen Korruptionsvorwürfen als Bundeskanzler zurücktreten. Da ging es um irgendwas mit Zeitungsinseraten, was uns die Herren Christoph & Lollo freundlicherweise in diesem Video hier verständlich aufbereitet haben. Dank an Robert Presslaber für die Inspiration! Mir war das aalglatte Buberl mit seinen Floskeln und Phrasen ja schon immer suspekt. Das wirkte alles so künstlich, hohl und einstudiert. Doch hinter dem “schönen Schein” blitzte auch immer wieder etwas zutiefst Böses auf, etwa seine Verachtung gegenüber Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind (“Wer sich die Miete nicht leisten kann, soll Eigentum erwerben”). Oida, gehts no? Und dann die geballte Geldvernichtung der gesamten Leuchtturm-Partie (“Durch die Zusammenlegung der Gesundheitskassen werden wir eine Milliarde einsparen”). Bisher hat die “großartige” Aktion allerdings nur Millionenverluste eingebracht. Rechenaufgabe: Wieviel depperte Werbung in wieviel depperten Medien braucht es, um ausreichend Menschenleute so deppert zu machen, dass eine (wie auch immer gefärbte) ÖVP den Bundeskanzler stellt? Oder – was können wir aus der Geschichte dieser “staatstragenden” Partei lernen?

Lernens Geschichte (Bruno Kreisky 1935)Die ÖVP ist jedenfalls nicht am 17. April 1945 von irgendeinem “Volk” jungfräulich unbefleckt empfangen worden oder sonstwie “von Gottes Gnaden” auf uns herab … Nein, sie wurde durchaus von Vertretern der einstigen Christlichsozialen Partei erschaffen, um deren konservative und katholische Weltanschauung auch nach dem 2. Weltkrieg weiter zu betreiben. Von Bruno Kreisky ist ja überliefert, dass er mit der ÖVP nie eine Koalition eingehen wollte, weil ihre geistigen Vorfahren ihn wegen Hochverrats verurteilt hatten. Sein “Verbrechen” war es, Funktionär der damals verbotenen “Revolutionären Sozialisten” zu sein. Bei seinem Prozess hielt er als 25-jähriger eine beachtliche Verteidigungsrede, die hier auszugsweise vorliegt. Die Geschichte der ersten Republik ist jedenfalls reich an totalitären Umtrieben und heimlichen Manövern, die man auch als Vorlage für heutiges Verhalten lesen kann.

Lernen wir aus der Vergangenheit – und bleiben wir dabei bloß nicht stehen …

Übrigens, Helene Maimann und Harald Sicheritz sind gerade dabei, das Leben des jungen Kreisky als Spielfilm umzusetzen – mit einem “österreichischen Budget”

PS. Im Anhang das erwähnte antisemitische Plakat der Christlichsozialen Partei (einer der zentralen Wurzeln der heutigen “Volkspartei”). Und überhaupt, zur Geschichte des politischen Plakats in Österreich haben wir dazu auch noch reichst bebildertes Material aufgetrieben.

Ham wir mal wieder was gelernt …

 

Images

Lernens Geschichte (Christlichsoziale Partei 1920)
Antisemitisches Wahlplakat der Christlichsozialen Partei 1920 (ungefähr zur selben Zeit, als deren Obmann Prälat Ignaz Seipel Bündnisse mit Deutschnationalen und Rechtsextremen einging, um die Sozialistische Partei aus der Regierung zu entfernen). Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Seipel
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