Vortrag Winfried Wolf: Sackgasse Elektroauto?

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  • Vortrag Winfried Wolf: Sackgasse Elektroauto? 3. April 2019
    45:15
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Buchpräsentation und Diskussion mit dem Politikwissenschaftler und Umweltexperten Winfried Wolf | Mi. 3. April 2019 | JBZ, Strubergasse 18 | Beginn: 19 Uhr
Hans Holzinger begrüßt in der Reihe JBZ Zunkunftsbuch 46 und leitet den Vortrag “ Sackgasse Elektroauto?“  mit Winfried Wolf ein. Diese Datei hat  Matthias Reichl für die „Begegnungswege 18. April 2019“ aufgenommen.  Siehe https://cba.fro.at/403603

In der Kritik am Elektroauto gibt es zwei Stoßrichtungen: Die einen wollen den Verbrennungsmotor retten und damit die Ölkonzerne. Die anderen wollen eine neue Mobilität jenseits des Autos. Zu diesen zählt der Politikwissenschaftler und ehemalige deutsche Bundestagsabgeordnete Winfried Wolf. Wir diskutieren mit ihm über die Für und Wider von Elektromobilität.
Winfried Wolf sieht im Elektroauto nur eine neue Variante zur Intensivierung einer individuellen Auto­mobilität, die für das Klima, die Umwelt und die Städte zerstörerisch ist und jährlich weltweit einen Blutzoll von einer Million Straßenverkehrstoten fordert.
Die Fortführung der Automobilität lediglich mit neuen Antrieben ist für Wolf kein Paradigmenwechsel, sondern dient eher als neuer Wachstumsmotor für die Autoindustrie. Bislang sei es den Autokonzernen und ihrer Lobby noch nach jeder tiefen Branchenkrise gelungen, mit einer inneren Scheinreform zu antworten und damit einen neuen weltweiten Auto-Boom auszulösen.
Die neue Zauberformel „Elektromobilität“ wird laut Wolf aus drei Gründen in die nächste Sackgasse führen. Erstens, weil unter den gegebenen Bedingungen ein Elektro-Pkw im Lebenszyklus nur maximal 25 Prozent weniger CO2 emittiert als ein Benzin- oder Diesel-Pkw. Dabei wächst gleichzeitig mit dem Einsatz von Millionen neuer Elektro-Pkw die Zahl der Autos mit herkömmlichen Antrieben pro Jahr um 70 bis 100 Millionen. Die Gesamtsumme der CO2-Belastung steigt damit von Jahr zu Jahr deutlich. Zweitens, weil Elektroautos meist Zweitwägen sind, die zur Intensivierung des städtischen Verkehrs führen und dabei drei bis vier Mal mehr Fläche beanspruchen als der öffentliche Verkehr. Drittens, weil die damit verbundene zusätzliche Menge an Elektrizität die dringend notwendige Verringerung von Kohlestrom verlangsamt und das Hochfahren der Atomstromerzeugung zur Folge haben wird. So verdreifacht China, das stark auf E-Mobilität setzt, aktuell die Zahl der Atomkraftwerke auf 100.
Aus Sicht der Autolobby beabsichtigt und aus Sicht der Umweltfreunde fatal: Mit dem Kult um das Elektroauto wird die Tatsache ausgeblendet, dass es für Mobilität einfache und überzeugende Lösungen gibt, so Wolf. Er plädiert in seinem Buch eindringlich für dezentrale Strukturen, die „Wiederentdeckung der Nähe“, die Entwicklung der „Stadt der kurzen Wege“ und für eine umfassende Förderung des nichtmotorisierten Verkehrs – des Zu-Fuß-Gehens und Radfahrens. Dazu brauche es den Ausbau des öffentlichen Verkehrs mit umfassendem Nulltarif.
Der Autor
Winfried Wolf, geboren 1949 in Horb am Neckar, studierte Politikwissenschaften in Freiburg und Berlin und promovierte in Hannover. Von 1994 bis 2002 war er Mitglied des deutschen Bundestags. Er ist Chefredakteur von „Lunapark21 – Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie“ und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac.
Das Buch
Wolf, Winfried: Mit dem Elektroauto in die Sackgasse.
Warum E-Mobilität den Klimawandel beschleunigt.
Promedia 2019.
Aus :https://jungk-bibliothek.org/2019/02/11/zb-46-sackgasse-elektroauto-diskussion-mit-winfried-wolf-3-4-2019/

4 Kommentare

  1. Winfried Wolf sagt und schreibt nicht, dass E-Mobility keinen Beitrag zur Mobilitätswende leisten kann. Er warnt nur davor, dass es ökologisch kontraproduktiv ist, wenn man glaube, die derzeitige Automobilflotte mit Verbrennungsmotor einfach auf E-Fahrzeuge umzustellen. Dies löse weder die Platz und Stauprobleme, erzeuge neuen Ressourcenaufwand und verhindere alternative Mobilitätsstrukturen. Die Energieeffizienz von E-Autos ist unbestritten, der Wirkungsgrad des Motors bedeutend besser als bei Verbrennungsmotoren, die viel Abwärme erzeugen. Und der Strom für E-Autos kommt „offiziell“ aus erneuerbaren Energieträgern („Zulassungskriterium für Förderungen“), doch Strom hat kein „Mascherl“, wenn der Gesamtstromverbrauch steigt und in Deutschland der Kohlestrom nicht zur Gänze zurückgefahren wird, erzeugt dies Negativeffekte. In der Batterien-Frage wird sich wohl noch einiges verbessern. Der Rohstoffverbrauch ist aber zu bedenken. Die Einhaltung von menschenrechtlichen Standards beim Abbau der Rohstoffe (ILO-Normen) ist sicherzustellen. das ist eine politische Frage – da können die E-Autos an sich in der Tat nichts dafür.

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