• #1 Pro Europa – im Licht von „America First“ Radio ICAP, Sa, 11.02.2017, 16:30 - 17:30 Uhr, Orange 94.0
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#1 Pro Europa – im Licht von „America First“

Da in dieser Materie kein „Second“ freiwillig apriorisch vorkommen kann, ist dies in der Familie der Menschheit ein vorprogrammierter Kriegszustand.
Was konnotiert dann „Pro Europa“, wenn das aktuelle Europa gegen Immigration ist, insbesondere gegen jene aus der südlichen Hemisphäre – die Wiege unseres Seins?
Was bedeutet Pro-Europa für uns, wenn selbst die Autochthonen/ Ansässigen sowohl aus dem Schoß Brexits aber auch Frankreich, Holland, Österreich et cetera, et cetera laut Statistik aus der EU austreten?
Obgleich wissend, dass Europa ohne EU als dessen Motor politisch, wirtschaftlich, militärisch und sozial kein Gewicht in der heutigen globalisierten Welt hat, was würde Pro Europa heißen, wenn die Führungsmacht des Westens, die USA durch Trumpismus die mehr als 70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg errichtete Weltordnung in Frage stellt.
Ist der Kredit Europas samt seiner Werte innen und außen hoffnungslos überzogen? Was sagt Putin dazu?
Jenseits der Faktizität, dass über 6 Millionen Menschen, vor allem Juden durch die Gräueltaten des 2. Weltkrieges ermordet wurden und jenen, die durch den Krieg gestorben sind, muss man sagen, dass ohne den 2. Weltkrieg überhaupt keine Weltordnung durch die UNO möglich gewesen wäre. Die Relevanz des Krieges als Doppeldeutigkeit für jene, die den Krieg gewinnen einerseits und jene, die dafür zahlen andererseits.
Es waren die USA, die die europäischen Mächte nach dem Krieg unter Druck gesetzt haben, dass nicht nur jene Länder Europas, die unter der Nazi-Herrschaft dominiert waren, sondern alle Länder inklusive jenen die unter kolonialer Herrschaft waren, sollten unabhängig werden. Dies geschah grundsätzlich politisch formal Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre. Europäische Mächte waren damals wie jetzt der USA gegenüber entschieden dagegen, den Preis für diese Zäsur der Geschichte zu zahlen. Aber gegen Moskitos und der damaligen Übermacht der USA gegenüber einzelnen Ländern mussten sich sogar Churchill und De Gaulle beugen, damit die Weltordnung im Zeichen der „Vereinten Nationen“ subsumiert wird. Deshalb ist der Transformationsprozess vom Territorialstaat zur Nation bzw. der Beginn der Erfahrung der Nationenbildung das Projekt, welches die Rechtsstaatlichkeit, die Demokratie und die Menschenrechte in einer Kontextualität subsumiert. Obwohl dieser historische Typus des Nationalstaats aus der französischen und amerikanischen Revolution hervorgegangen ist, hat er sich weltweit durchgesetzt.
Es ist nicht trivial zu wissen, dass sich die klassischen Staatsnationen im Norden und Westen Europas innerhalb von bestehenden Territorialstaaten herausgebildet haben. Diese waren, ähnlich wie die Territorialstaaten Afrikas, die zu Nationen geworden sind, Teil des europäischen Staatensystems, das bereits im Westfälischen Frieden von 1648 Gestalt angenommen hatte. Hingegen haben die „verspäteten“ Nationen, zunächst Italien und Deutschland, eine andere, auch für die Nationalstaatsbildung in Mittel- und Osteuropa typische Entwicklung genommen. Hier folgte die Staatenbildung den Spuren eines vorauseilenden, propagandistisch verbreiteten Nationalbewusstseins. Die Frage in diesem Umwälzungskontext lautet: Welche Chancen und Konsequenzen sind in Trumps Destruktivität im Spiel, wenn er gegen Europa vorgeht und wenn der Kern dieses Europas die Europäische Union bildet?
Die Mechanismen, welche eine neue Ära ankündigen, sind in Wirklichkeit anthropologisch gesehen ein Beginn einer neuen Zivilisation, und zwar gegen den pyramidalen vertikalen, feudalen Institutionalismus von rechts oder von links, die in ihrem Wesenszug gleich sind. Dieser Trumpismus weist auf einen Prozess der Aushöhlung der Demokratie westlicher Prägung bzw. „Demokratie des Volkes“ hin, in dem ihr Fundament ironischerweise durch den Faschismus des 21. Jhdts. mittels „America first“ in „We will make America great again“ destruktiv zum Ausdruck kommt. Hat dieser Umwälzungsprozess nicht nur die USA, sondern auch Europa bis zum „small-feudalen“ Österreich à la Pühringer, Pröll und Häupl erreicht? In dem Artikel „Der apokalyptische Streiter“ führen Martin Staudinger und Robert Treichler aus, dass „ernstzunehmende Beobachter nicht nur die Folgen für das Weiße Haus fürchten, sondern die Aushöhlung der Demokratie oder gar die Rückkehr zum Faschismus der 1930er Jahre.“
Demzufolge empfehlen wir zweierlei: Erstens: Trumpismus, Rechtsextremismus, Putin ja oder nein, sind Relikte des feudalen, vertikalen Speziesismusdemokratie des Volkes. Zweitens: Die Ära der Horizontalitätslogik jenseits von links oder rechts findet gerade in der Kontextualität der Antispeziesismusdemokratie statt – einer universalistischen Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung, die die neue Ästhetik Europas ausmacht.

Di-Tutu Bukasa

 

Dazu diskutieren: Cyril Chima Ozoekwe, Simone Prenner und Sintayehu Tsehay

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Radio ICAP Zu hören auf Orange 94.0
Produziert am:
11. Februar 2017
Veröffentlicht am:
17. Dezember 2017
Ausgestrahlt am:
11. Februar 2017, 16:30
Thema:
Gesellschaft
Sprachen:
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