• 2016-10-17 Der Watzmann ruft in Vordergründig-Hintergründig
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Peter Pohn hat ein vordergründig – hintergründiges Porträt über das Rustical „Der Watzmann ruft“, von Ambros-Tauchen-Prokopetz sowie seinen Vor- und Nachfolge-Hörspielen gestaltet. Im Gegensatz zu „Fäustling“, „Schaffnerlos“ und „Augustin“ ist der „Watzmann“ extrem populär geworden und zählt nicht nur unter den eingefleischten Austropop-Fans zu einer der beliebtesten Produktionen dieser Stilrichtung. Als Bühnenstück ist das „Rustical“ eine unterhaltsame Mischung aus rockigen Liedern, witzigen Dialogen und Tanzeinlagen. 2016 haben Wolfgang Ambros und seine Crew, den Watzmann zum letzten Mal auf die Bühne gebracht.

Das Rustical „Der Watzmann ruft“ ist die Geschichte eines Bauernbuben, der den Berg erklimmen will, sich dabei vom Vater abwendet und in den Tod stürzt.

Welche Art von Stück ist nun der „Watzmann“? – reine Unterhaltung oder vielleicht doch mehr? Wolfgang Ambros bezeichnet das Rustical als ein typisches Unterhaltungsstück mit wenig Tiefgang, dafür interessanten Entwicklungsmöglichkeiten.

Der Schriftsteller und Regisseur Herbert Eigner hat über „Die Hörspiele von Wolfgang Ambros, Joesi Prokopetz und M.O. Tauchen“ eine Dissertation geschrieben. Darin hält er fest, dass „Der Watzmann ruft“ im Zusammenhang mit der Anti-Heimatkunst-Bewegung der 1960 und 1970er Jahren steht. Diese Bewegung habe sich ebenfalls gegen verkitschte Heimatbilder oder Blut- und Bodenromantik gewendet. Außerdem würde der Generationenkonflikt, anhand einer konfliktreichen Vater-Sohn-Beziehung, beschrieben.

1974 als LP veröffentlicht, entwickelt sich das Rustical „Der Watzmann ruft“ zur erfolgreichsten Produktion des Autorentrios „Ambros- Tauchen-Prokopetz“.

Die LP wird vergoldet und das Stück findet ab 1977 den Weg auf die Bühne. Neue Lieder und Szenen kommen ständig hinzu. Joesi Prokopetz betont, dass der Watzmann immer ein „work in progress“ und nie ein fertiges Stück war.

Die Lieder des Originalalbums sind die Konstanten, Wolfgang Ambros singt sie. Seit der Aufnahme von Klaus Eberhartinger in das Ensemble haben sich allerdings neue Möglichkeiten aufgetan. Der EAV-Frontmann verkörpert seit 2004 die Rolle der Gailtalerin und singt dabei auch eine Solonummer. Mit dem neuen Lied „In meinem Herzen“ gibt Eberhartinger der Gailtalerin einen melancholischen Touch.

Noch einmal auf große „Watzmann-Tour“ zu gehen, war Wolfgang Ambros großer Wunsch. Der Tourplan nimmt dabei Rücksicht auf die angeschlagene Gesundheit des Musikers. Ambros musste sich 2014 einer schweren Rückenoperation unterziehen. Die Abschiedstournee 2016 würde daher weniger Termine als früher umfassen, erklärt Watzmann-Regisseurin Gitti Guggenbichler. Außerdem stünde Wolfgang Ambros nicht alleine auf der Bühne und hätte zudem nicht soviel zu singen wie bei einem Konzert.

Viele Fans können oder wollen nicht glauben, dass die aktuelle „Watzmann-Tournee“ auch wirklich die letzte sein wird. Das Ende scheint aber besiegelt zu sein, erklärt Gitti Guggenbichler, denn das Stück wäre schon zu oft aufgeführt worden und Wolfgang Ambros hätte keine Lust mehr. Konzerte mit Ambros, egal ob mit seinem Programm „Ambros Pur“ oder mit seiner Stammband „Der Nr. 1 vom Wienerwald“ soll es aber weiterhin geben.

Spekuliert wird in Fankreisen auch über ein neues Album, das eventuell zu Wolfgang Ambros 65. Geburtstag im kommenden Jahr veröffentlicht werden könnte, was allerdings bis dato nicht bestätigt ist. Sollte wirklich kein neues Ambros-Album mehr entstehen, könnte vielleicht die Beschäftigung mit den anderen Ambros-Prokopetz-Tauchen-Hörspielen Abhilfe verschaffen.

„Fäustling“, „Schaffnerlos“ oder „Augustin“ – sie stehen zwar im Schatten des Watzmanns, hätten sich aber laut Ambros-Forscher Herbert Eigner durchwegs mehr Beachtung verdient. Diese Alben entstanden in der rebellischen Phase der österreichischen Popularmusikszene, also von 1972-1980. Die Werte der Mutter- und Vatergeneration wurden damals sowohl musikalisch als auch textlich in Frage gestellt, meint Herbert Eigner.

Die Protagonisten in den Produktionen „Fäustling“, „Schaffnerlos“ und „Augustin“ sind meist Figuren aus dem „einfachen Volke“, also Kleinbürger, Handwerker oder Bedienstete. Ihr Traum von Freiheit sowie der Versuch, den Generationenkonflikt zu überwinden, bilden das Fundament der jeweiligen Handlung.

Personen, die „Ambros-Tauchen-Prokopetz“ beschreiben, sind allerdings keineswegs im damaligen Umfeld des künstlerischen Trios zu finden.

1973 entsteht das Hörspiel „Fäustling“. Es ist der Versuch, Goethes „Faust“ in das Wiener Beamtenmilieu zu transferieren.

Der Beamte Heinrich Fäustling, gesprochen von Alexander Wächter, hat sich zum Referenten hochgearbeitet und ist nun unzufrieden mit sich selbst und seinem Umfeld.  Fäustling trifft auf den Teufel, gespielt von Wolfgang Ambros, und verbündet sich mit ihm. Nach Heinrich Fäustlings Verjüngung kommt es zum Rendezvous mit Grete. Die beiden verlieben sich ineinander und gehen eine Beziehung ein. Doch die Verbindung hat ein Ablaufdatum. Angelehnt an Goethes Faust verlässt auch Heinrich Fäustling seine Grete und steigt aus dem geregelten Beamtenleben aus.

1978 kommt das Hörspiel „Schaffnerlos“ auf den Markt. In der Geschichte wird der letzte Arbeitstag des Schaffners Fritz Knottek, gespielt von Joesi Prokopetz, erzählt. Dabei ist auch der bis heute anhaltende Trend „Automat ersetzt Mensch“ Thema. Fritz Knottek ist eine gescheiterte, frustrierte Existenz, vielleicht schon zu alt, um einen Ausbruch zu wagen. Alkohol hat seine Beziehung sowie Karriere zerstört.

1980 erscheint mit „Augustin“ das letzte Hörspiel aus der Feder von „Ambros-Tauchen-Prokopetz“. Es erzählt vom anarchischen Volkssänger Augustin, der Ende des 17. Jahrhunderts, also zur Zeit der Pest, in Wien lebt. Augustin würde laut Ambros-Forscher Herbert Eigner keiner Gruppe angehören und somit tun und lassen können, was er will. Außer seine Lieder zu singen, setzt Augustin keine Taten. Eines Tages fällt er dann betrunken in die Pestgrube. Da der Volkssänger den Sturz überlebt, steigt er zum gefeierten Star auf.

Bleibt noch die Frage zu klären, ob sich die „Ambros-Tauchen-Prokopetz“-Hörspiele im Schatten des übermächtigen „Watzmanns“ auch für die Bühne eignen könnten. Wohl kaum, meint Ambros-Band-Leader Peter Koller. „Schaffnerlos“ transportiere keine bühnentaugliche Geschichte und „Augustin“ hätte zu viel Wien-Bezug. Auch wenn diese Hörspiele nur sehr schwierig auf die Bühne zu bringen sind, Interesse bei Joesi Prokopetz wäre zweifellos gegeben.

(Peter Pohn)

Produziert am:
14. Oktober 2016
Veröffentlicht am:
14. Oktober 2016
Thema:
Kultur
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Peter Pohn
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