• thomas s kuhn_ the structure of scientific revolutions_ web-edit
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Neben vielfältigen Unstimmigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten in der Wissenschaft über die Richtigkeit oder die Falschheit bestimmter Theorien, kommt es häufig auch zu einem gewissen Konsens in den wissenschaftlichen Gemeinschaften darüber, welche Theorie die optimale sei. Von einem solchen Konsens spricht Kuhn vor allem in den Phasen der Normalwissenschaft. Ein solcher Konsens kann hinsichtlich des Kollektivs, in dem er entsteht, und in Bezug auf das Individuum, durch welche er weiterverbreitet wird, folgendermaßen charakterisiert werden. Die konsensuellen Resultate in den individuellen Entscheidungsprozessen, die das Ende der Unstimmigkeiten und der Meinungsverschiedenheiten bedeuten, implizieren nicht, daß diese individuellen Entscheidungen auf exakt denselben Gründen basieren wie die kollektiven. Eher verhält es sich so, daß die individuell variierenden Werte stets noch in die Entscheidungen und die Theoriewahl eingehen und als zusätzliche oder integrierte Gründe für diese Wahl funktionieren. Nach einer Phase der Unstimmigkeit und der Meinungsverschiedenheit scheint es zumindest häufig so, dass sich eine Menge von Argumenten gebildet haben, die zugunsten eines Kandidaten für die Theoriewahl sprechen; woraus auch immer das individuelle Wertsystem aber bestehen mag, jeder scheint dieselbe Wahl zu treffen. Oder fast jeder. Der Konsens, den man in der wissenschaftlichen Gemeinschaft erreicht, mag weniger friedfertig gebildet werden, als man dies auf den ersten Blick vermuten würde. Dissidenten, die von der vorherrschenden Theoriewahl sich absetzen, könnten möglicherweise aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, daß sich die wissenschaftliche Gemeinschaft separiert und abspaltet, sodaß eine oder mehrere neue Gruppen entstehen, die jeweils sich anderen kognitiven Werten und damit einer anderen Theorie verschreiben. Das Wesentliche an solchen Entscheidungsprozessen scheint nach Kuhn zu sein, dass Konsens prinzipiell durch das kollektive System kognitiver Werte hergestellt wird.