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Vor ungefähr eineinhalb Jahren begannen nach der Selbstverbrennung des tunesischen Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi (am 17. Dezember 2010), bzw. mit den daran anschließenden landesweiten Massenunruhen der tunesischen Bevölkerung jene Entwicklungen, die inzwischen (meist) als „Arabischer Frühling“ bezeichnet werden.

Seitdem ist viel geschehen: autoritäre Machthaber wurden gestürzt und neue Parlamente gewählt – aber auch zahlreiche Aufstände mit Gewalt niedergeschlagen und eine Vielzahl von Menschen verhaftet, gefoltert und getötet – allein in Syrien hat es seit Beginn der Proteste gegen Machthaber Bashar al-Assad (im März 2011) Tausende von Opfern gegeben, inzwischen ist von einem Bürgerkrieg die Rede.

Dementsprechend verwundert es kaum, dass die Einschätzungen über das Geschehen im Nahen Osten und in Nordafrika mitunter recht weit auseinandergehen: Während manche Beobachter optimistisch sind und v.a. die Chancen für bessere Lebensbedingungen sehen, betonen andere auch die Risiken und Gefahren, die die Entwicklungen des „Arabischen Frühlings“ mit sich bringen. Ein abschließenden Urteil zu fällen, scheint da schwer möglich, zumal die Transformations-Prozesse mancherorts in vollem Gang sind.

In Bezug auf die jüngsten Ereignisse in Ägypten – die vom Obersten Gericht verfügte Parlaments-Auflösung (14.06), die Wieder-Ermächtigung von Militärpolizei und  Militärgeheimdienst zur Festnahme von Zivilisten (durch das Justizministerium -13.06), und die Stichwahlen um das Präsidentenamt (16./17. 06) –  überwiegen momentan eher die kritischen Stimmen. In einem Kommentar der Islamwissenschaftlerin Gudrun Harrar (für den ‚Standard‘ vom 16. Juni) heißt es beispielsweise dazu: „[Ganz] abgesehen davon, wer Präsident wird: Eine gesunde demokratische Transition sieht anders aus als Präsidentenwahlen ohne Verfassung, mit einem illegalen Parlament und ohne legitime Regierung. Wenn sich der Muslimbruder Mohamed Mursi durchsetzen sollte, würde ein Deal zwischen Islamisten und Militär im Raum stehen. Diese Wahlen haben ihre Legitimität verloren.“ („Standard“, Kommentar von Gudrun Harrer, 16. Juni 2012)

In der Tabakfabrik Linz hat das Instituts für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) (an der JKU) Anfang des Monats (vom 7. bis 9. Juni) seine dritte Sommerakademie veranstaltet. In Rahmen des diesjährigen Themas: „Kritik, Einmischung, Protest – Politisches Handeln in der heutigen Zeit“ fand dort auch ein Workshop zum Thema „Arabischer Frühling“ statt. Im Anschluss daran bot sich Gelegenheit, mit dem Workshopleiter Adel El-Sayed, Lektor am Institut für Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck, ein Interview zu führen.

Da die unter dem Titel „Arabischer Frühling“ zusammengefassten Themenbereiche erwartungsgemäß sehr weitläufig und fecettenreich sind, schien es von Vornherein abwegig, sämtliche Schauplätze und Aspekte im Rahmen eines 30-minütigen Interviews unterbringen zu wollen. Vielmehr erschien es wünschenswert, auch etwas Raum zu haben, um – dem Gesprächsverlauf entsprechend – auf die eine oder andere Thematik etwas näher eingehen zu können: In diesem Sinne hören Sie ein Interview über den „Arabischen Frühling“ im Allgemeinen, über die Rolle der Muslimbruderschaft in Ägypten und über Shlomo Avineri, Professor für Politikwissenschaften an der Hebräischen Universität in Jerusalem.