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Unternehmerisch und erschöpft? – Teil 5: Das umstellte Selbst – herrschaftskritische Kontextualisierung neuer Vergesellschaftungsstrukturen.
Im Rahmen der Vortragsreihe ‚Unternehmerisch und erschöpft? Anforderungen und Auswirkungen von Arbeit und Lebensgestaltung‘ sprachen am 24. April 2012 Kornelia Hauser und Petra Völkerer zum Thema ‚Das umstellte Selbst – herrschaftskritische Kontextualisierung neuer Vergesellschaftungsstrukturen.‘

„Die Signatur des Halbgebildeten ist es, dass er sein Ich durchstreicht, um der Interessen des Ichs willen. Er betreibt Selbsterhaltung ohne Selbst.“(Th.W. Adorno)
Die neuen Anforderungen und Zumutungen an die Individuen werden sozialwissenschaftlich überwiegend kritisch gesehen und als intelligente Herrschaftsstrategien entziffert. Was aber bleibt wenn die Konzepte von Emanzipation und Mündigkeit, Selbstbestimmung und Kritik als „Eigenschaften“ der besseren Vernutzung nicht nur der Arbeits- sondern aller Persönlichkeitskräfte gesehen werden?
Nur in der Bildung ist das Noch-Nicht von Möglichkeiten aufgehoben, wird konkrete Vorstellung und möglicher Handlungszusammenhang. Sie ist insofern das Lebensmittel für Orientierung. Zugleich ist die Vorenthaltung von Bildung und/oder die Halbbildung immer weiter Herrschaftsstrategie. Gesellschaftlich lassen sich drei Prozesse ausmachen, die mit den Begriffen von Entinstitutionalisierung, Psychologisierung und Privatisierung gefasst werden können. Wie kann ein kritischer Bildungsbegriff sich gegen darin enthaltenen Entfremdungen und Begrenzungen der Selbst- und Weltverhältnisse stemmen?

Kornelia Hauser ist Soziologin und Professorin am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck. Petra Völkerer ist Ökonomin und Mitarbeiterin der Abteilung Bildungspolitik der AK-Wien und der Forschungswerkstatt für feministische Interdisziplinarität.

Im Anschluss an die Vorträge beantworten Kornelia Hauser und Petra Völkerer Fragen aus dem Publikum.

Moderation:
Alexandra Weiss, Politikwissenschafterin, Büro für Gleichstellung und Gender Studies, Universität Innsbruck

(Sorry für die z.T. schlechte Qualität, bedingt durch die Technik am Veranstaltungsort)

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Traditionelle Verhaltensnormen und Bindungen haben sich gelockert, soziale Beziehungen sind instabiler geworden. Das hat nicht nur zur Erweiterung von Handlungsspielräumen, sondern auch zu Verunsicherungen geführt. Auch Anforderungen der Arbeitswelt haben sich verändert – „unternehmerisch“ tätig zu sein wird heute zunehmend auch unselbstständig Beschäftigten abverlangt. Die versprochenen Entfaltungschancen in der Arbeit haben aber enge Grenzen und erweisen sich oft eher als zusätzlicher Druck, denn als größerer Gestaltungsspielraum.

Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen stellt sich die Frage der Legitimität des kapitalistischen Wirtschaftssystems, dass für einen großen Teil der Bevölkerung mit zunehmender Unsicherheit, Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung und Verarmung einhergeht. Die „Re-Feudalisierung der Ökonomie“, die manche WissenschafterInnen diagnostizieren, geht aber auch mit einem Angriff auf die demokratischen Grundlagen und Werte unserer Gesellschaften einher, die durch eine „Ökonomie der günstigen Gelegenheit“ ersetzt werden.

Die Veranstaltungsreihe ‚Unternehmerisch und erschöpft? Anforderungen und Auswirkungen von Arbeit und Lebensgestaltung‘ ist eine Kooperation des Büros für Gleichstellung und Gender Studies / Universität Innsbruck, der AK-Tirol, dem ÖGB-Tirol und dem AMS-Tirol.

Nähere Infos unter www.uibk.ac.at/leopoldine/gender-studies/veranstaltungen