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Im Rahmen der Vortragsreihe ‚Unternehmerisch und erschöpft? Anforderungen und Auswirkungen von Arbeit und Lebensgestaltung‘ sprachen am 20. März 2012 Iris Nowak und Angela Pittl zum Thema ‚Neue Arbeits- und Lebensweisen im neoliberalen Kapitalismus.‘

Arbeits- und Lebensweisen im neoliberalen Kapitalismus sind stark fragmentiert: Während die einen zwar Angst vor Prekarisierung haben, gleichwohl aber noch relativ gut abgesichert leben, haben in andern Bereichen, insbesondere dort, wo es um die Sorge um andere Menschen geht, immer schon prekäre Verhältnisse geherrscht. Was Menschen in verschiedenen sozialen Positionierungen eint, ist, dass sie unter dem Druck stehen, ihre gesamte Lebensweie daran auszurichten, dass sie den flexiblen Ansprüchen ihrer Arbeit und AuftraggeberInnen möglichst nachkommen. Dabei wird diese nicht ausschließlich als Zwang erfahren, sondern teilweie auch als Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung.

Der Vortrag von Iris Nowak fragt danach, welche Kenntnisse über die Handlungsfähigkeit der Einzelnen gewonnen werden, wenn wir diese Widersprüchlichkeit von Alltagspraxen als Ausdruck einer kapitalistischen Produktionsweise analysieren, die auf Prekarisierung, Privatisierung und flexible Lebensformen setzt, statt – wie im Fordismus – auf massenhaften Wohlstand und enge Familienleitbilder.

Iris Nowak ist Sozialökonomin und aktuell in der Arbeitsgruppe Arbeit-Gender-Technik an der TU Hamburg-Harburg tätig. Darüber hinaus wirkt sie in verschiedenen Kontexten daran mit, Austausch zwischen verschiedenen lokalen politischen AkteurInnen herzustellen und dies mit kritischer Gesellschaftsanalyse zu verknüpfen. Ihre aktuellen Arbeitsschwerpunkte sind die Handlungsfähigkeit von Pflegekräften und feministische Analysen zum Neoliberalismus.

Angela Pittl stellt, auf Grund von Daten tirolweiter Frauenberatungsstellen, Statistiken vom Land Tirol und Interviews mit AMS-MitarbeiterInnen zur Prekarisierung der Arbeitswelt im neoliberalen Kapitalismus, den Bezug zu Tirol her.

Angela Pittl ist Pädagogin und Mediatorin. Nach Tätigkeiten im Tourismus im In- und Ausland war sie langjährige Trainerin im Erwachsenen- und Jugendbereich. Seit 2006 ist sie Geschäftsführerin des Vereines Frauen im Brennpunkt in Innsbruck, mit den Schwerpunkten Kinderbetreuung, Frauen- und Mädchenberatung.

Im Anschluss an die Vorträge beantworten Iris Nowak und Angela Pittl Fragen aus dem Publikum.

Moderation:
Alexandra Weiss, Politikwissenschafterin, Büro für Gleichstellung und Gender Studies, Universität Innsbruck

(Sorry für die z.T. schlechte Qualität, bedingt durch die Technik am Veranstaltungsort)

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Traditionelle Verhaltensnormen und Bindungen haben sich gelockert, soziale Beziehungen sind instabiler geworden. Das hat nicht nur zur Erweiterung von Handlungsspielräumen, sondern auch zu Verunsicherungen geführt. Auch Anforderungen der Arbeitswelt haben sich verändert – „unternehmerisch“ tätig zu sein wird heute zunehmend auch unselbstständig Beschäftigten abverlangt. Die versprochenen Entfaltungschancen in der Arbeit haben aber enge Grenzen und erweisen sich oft eher als zusätzlicher Druck, denn als größerer Gestaltungsspielraum.

Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen stellt sich die Frage der Legitimität des kapitalistischen Wirtschaftssystems, dass für einen großen Teil der Bevölkerung mit zunehmender Unsicherheit, Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung und Verarmung einhergeht. Die „Re-Feudalisierung der Ökonomie“, die manche WissenschafterInnen diagnostizieren, geht aber auch mit einem Angriff auf die demokratischen Grundlagen und Werte unserer Gesellschaften einher, die durch eine „Ökonomie der günstigen Gelegenheit“ ersetzt werden.

Die Veranstaltungsreihe ‚Unternehmerisch und erschöpft? Anforderungen und Auswirkungen von Arbeit und Lebensgestaltung‘ ist eine Kooperation des Büros für Gleichstellung und Gender Studies / Universität Innsbruck, der AK-Tirol, dem ÖGB-Tirol und dem AMS-Tirol.

Nähere Infos unter www.uibk.ac.at/leopoldine/gender-studies/veranstaltungen