WiderstandsChronologie 27. 9. bis 10. 10. 2020

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WiderstandsChronologie
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+++ Applaus ist nicht genug +++ Wir haben Platz +++ BlockIB +++ Schandwache +++ Hass ist nicht normal +++

Willkommen bei der WiderstandsChronologie

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Applaus ist nicht genug

Am 3. Oktober demonstrierten rund 210 Menschen für Arbeitszeitverkürzung, höhere Löhne und mehr Personal im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich.

Danke an Stefan Resch aus der Redaktion des alternativen Nachrichtendienstes ANDI für die Aufnahmen.

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Wir haben Platz

Mehr als 1200 Menschen demonstrierten am 3. Oktober, fünf Jahre nach der Großkundgebung Voices for Refugees immer noch für Asyl- und Menschenrechte. Zentrales Thema war wieder die tödliche europäische Flüchtlingsabwehrpolitik. [kurzer Redenausschnitt]

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BlockIB

Zur selben Zeit am 3. Oktober blockierten Antifaschist*innen erfolgreich einen Aufmarsch identitärer Rechtsextremer, die unter dem Label „Die Österreicher“ gegen einen von ihnen behaupteten Bevölkerungsaustausch demonstrierten. Die Polizei ermöglichte den rund 500 Rechtsextremen, ihren Zug auf einer Ersatzroute durchzuführen. [kurzer Ausschnitt aus rechtsextremen Reden]

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Schandwache

Schon im September wurde das Denkmal für den Antisemiten Karl Lueger am Dr.-Karl-Lueger-Platz über und über mit dem Wort „Schande“ beschriftet. Da die Stadt Wien ankündigte, die Schriften bis zur Wahl entfernen zu wollen, verstärkten Künstler*innen in der Nacht auf den 5. Oktober einzelne Schriftzüge mit betonierten Buchstaben. Außerdem bewachen seit 5. Oktober Künstler*innen und Aktivist*innen aus verschiedenen zivilgesellschaftlichen und kulturellen Gruppen die „Schande“-Schriftzüge mit einer täglichen „Schandwache“.

Am Nachmittag des 5. Oktobers kamen als „die Österreicher“ auftretende Rechtsextreme aus der identitären Bewegung und klopften, während der Schandwache, die betonierten „Schande“-Buchstaben ab. Die Schandwache war als politische Versammlung ordnungsgemäß bei der Behörde angezeigt worden. Dennoch schaute die Polizei bei der Zerstörung der Schrift durch die Rechtstextremen zu, ohne einzuschreiten.

Am späteren Abend versammelten sich neuerlich Rechtsextreme beim Denkmal. Dabei fuhr ein Rechtsextremer mit dem Auto in eine Gruppe ebenfalls anwesender Antifaschist*innen.

Die an der Schandwache beteiligten zivilgesellschaftlichen und kulturellen Gruppen fordern „eine grundlegende Umgestaltung des Denkmals, die unmissverständlich klar macht, dass Lueger keine Ehrung verdient. Die Graffiti müssen als Markierung der Schande so lange erhalten bleiben, bis die Umgestaltung Wirklichkeit geworden ist.“

Die Beteiligten an der Mahnwache führen weiter aus: „Lueger war von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister. Er baute seinen politischen Erfolg auf rabiatem Antisemitismus auf, den Hitler sich zum Vorbild nahm. […] Der Antisemit Lueger verdient in dieser, unserer Stadt keine Ehrung.“

Am Abend des 8. Oktober setzten die Jüdischen Österreichischen Hochschüler*innen mit projizierten und abgespielten Lueger-Zitaten ein Zeichen gegen die Kontinuität des Antisemitismus in Österreich. Danke an presse-service.at für die O-Töne.

Ich sprach mit Illya Babkin von den Jüdischen Österreichischen Hochschüler*innen über die Aktion und über die Schandwache.

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Hass ist nicht normal

Unter dem Motto „Hass ist nicht normal“ wurde am 7. Oktober am Karlsplatz gegen strukturellen Rassismus demonstriert, und für die Entfernung rassistischer Wahlplakate. Danke an Jutta Matysek von den Sendereihen Trotz allem und Open Up für die Aufnahmen.

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Außerdem

Am 7. Oktober demonstrierten nach Angaben von presse-service.at etwa 100 Personen gegen Femizide. Anlass war die Ermorderung einer Frau am 5. Oktober in Favoriten. Es handelte sich dabei um den inzwischen 19. Femizid in Österreich im Jahr 2020.

Vom 26. September bis zum 4. Oktober fand außerdem die Rebellion Week von Extinction Rebellion statt – mit Demonstrationen, dezentralen Aktionen und Straßenblockaden wie etwa am Michaelerplatz und am Gürtel. Damit sollte Druck auf die Regierenden erzeugt werden, mit der Zivilgesellschaft zu kooperieren, um eine gerechtere, freundlichere, menschlichere Gesellschaft aufzubauen und die Klimakrise zu mildern.

Am 9. Oktober gab es antirassistische Proteste beim Wahlkampfabschluss der FPÖ am Viktor-Adler-Markt.

Und am 10. Oktober wurde auch in Wien Solidarität mit den gegen Polizeigewalt, für Menschenrechte und Frieden in Belarus protestierenden Frauen demonstriert.

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Das war die – zugegebenermaßen wieder mal nicht ganz vollständige – Chronologie von Widerstands- und Protestaktionen der letzten zwei Wochen. Auf Wiederhören.

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