• Märtyrerkult und Selbstmordattentate
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Die grundlegende Frage, von der diese Sendung ihren Impuls erhielt, lautete: Auf welche Weise gerät der Selbstmord innerhalb eines einerseits religiösen und andererseits soldatischen/männlichen bzw. militärischen oder terroristischen Diskurses in das Spannungsfeld einer Moral, die hier den Selbstmord strikt verbietet und dort dem vorgeblichen „Märtyrer“ für den „rechten Glauben“ den Status eines „heiligen Kriegers“ verleiht?

Ausgegangen wird von der Behauptung, dass die „individuelle Neigung“ zum Selbstmordattentat am besten dann verstanden wird, wenn man die Spuren einer „kollektiven“, sozialen  „Neigung“ zu demselben (nach Émile Durkheim) nachzuzeichnen versucht. Dabei werden Selbstmordattentate als eine politische Taktik einsehbar, mit Hilfe der vornehmlich säkulare Ziele verfolgt werden, die sich hauptsächlich aus ökonomischen bzw. territorialen Konflikten speist und in der die Religion an sich zu einem diskursiven Medium wird, das es den verschiedenen Organisationen erlaubt, diese politische Taktik öffentlich zu legitimieren („Politisierung der Religion“). Die Medialisierung von Selbstmordattentaten führt zu einer moralischen Theatralisierung des Guten und des Bösen. Dabei gilt u.a. ein Hauptaugenmerk der Sendung einer einerseits nekrophilen und andererseits homophagen Dynamik, durch welche hegemionale, islamistische Mächte danach bestrebt waren und sind, „national(istisch)e Schicksalsgemeinschaften“ in der Form von „Nekro-Gemeinschaften“ zu etablieren und welche oftmalig zu einer perpetuierten Selbstkonsumtion militärischer/terroristischer Gruppen geführt hat. Mit Farhad Khosrokhavar’s Begriff der „Martyropathie“ wird ein Terminus in diesen Diskurs eingeführt, der es erlaubt, individuelle Erfahrungen als Ausdruck kollektiver Tendenzen (des Leidens und/oder des Aufbegehrens) zu betrachten.

Produziert am:
31. März 2011
Veröffentlicht am:
31. März 2011
Thema:
Gesellschaft
Sprachen:
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Tags:
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RedakteurInnen:
David Koppensteiner
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David Koppensteiner
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