• 130 Jahre Reisen mit der Steyrtalbahn
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Wir feiern heute 130 Jahre Steyrtalbahn. Wir – das sind an diesem Festtag an die 1000 Fahrgäste (sie kommen aus ganz Österreich und benachbarten Ländern), die hunderten Schaulustigen entlang der Bahnstrecke zwischen Steyr und Grünburg, die rund 35 aktiven Eisenbahner der „Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte“ ÖEGE, (davon dürften heute an die 20 aktiv im Dienst sein), die Mitglieder und Freunde dieser Gesellschaft und natürlich die ungezählten Teilnehmer des Festes am Bahnhof Grünburg. Genaugenommen feiert die ganze Region Steyrtal dieses Jubiläum. Und du geschätzte Hörerin, geschätzter Hörer von Radio Fro feierst nun mit.

In der Sendereihe „Reise1 Reise!“ vom individuellen, eigenverantwortlichen, selbstbestimmten, sanften, umweltfreundlichen, achtsamen, respektvollen und nachhaltigen Reisen in die weite Welt der Geografie und in andere Welten, die es ja auch noch geben soll, hörst du heute vom Reisen mit der Steyrtalbahn. Vor 130 Jahren ist diese Schmalspurbahn in Betrieb genommen worden. Jene Lokomotive, die damals den Eröffnungszug gezogen hat ist heute noch in Betrieb. Zu verdanken ist das der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (ÖGEG). Seit 1985 wird der Abschnitt Steyr – Grünburg als Museumsbahn mit Dampfzügen betrieben. In der heutigen Sendung berichten wir vom Jubiläumsfest am 18. August 2019. Wir haben Interviews mit Fahrgästen, mit dem Zugsführer und einem Heizer gehört. Die Musik dazwischen stammt übrigens vom Tiroler Neo-Volksmusik-Jazz-Oktett namens Knödel, veröffentlicht 1995 im Album „Panorama“.

Werfen wir einen Blick in die Geschichte der Steyrtalbahn.

Josef Ritter von Wenusch erhielt 1888 die Konzession für die Errichtung und den Betrieb der Bahn; unmittelbar darauf erfolgte die Gründung der Steyrtalbahn AG. Die Mehrheit der Aktien wurde vom Land Oberösterreich, der Stadt und Sparkasse Steyr sowie der Österreichischen Waffenfabriks-Gesellschaft gehalten. Am 19. August 1889 schon wurde die Strecke Garsten–Grünburg feierlich eröffnet. Ein Jahr später war die Verlängerung bis Agonitz betriebsbereit. Weil man bei der Kremstalbahn-Gesellschaft eine Konkurrenz durch die Steyrtalbahn fürchtete und den Weiterbau bis Klaus bekämpfte, konzentrierte sich die Steyrtalbahn AG  vorerst auf den Bau einer Flügelstrecke von Pergern nach Bad Hall. Sie ist 1891 eröffnet worden.

Als die Kremstalbahn (1902) verstaatlicht wurde, wurde das Projekt der Verlängerung nach Klaus wieder aufgenommen. 1909 ward sie eröffnet. Damit hatte das Netz der Steyrtalbahn seine größte Ausdehnung von 55 Kilometern erreicht.

Die Bahn entwickelte sich wirtschaftlich sehr positiv und konnte jedes Jahr einen Überschuss erzielen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Bestand der Steyrtalbahn durch den Ausbau der Straße bedroht. Der leichte Oberbau ließ den Betrieb mit den schwereren Dieselloks nicht zu. Die Dampfloks wurden zu kostenintensiv. Streckenweise wurde nach und nach eingestellt, 1982 schließlich auch die letzte Teilstrecke Garsten – Grünburg.

Die Österreichische Gesellschaft für Eisenbahngeschichte hatte schon in den letzten Jahren vor Betriebseinstellung immer wieder Sonderfahrten auf der Steyrtalbahn organisiert. Es gelang ihr nach längeren Verhandlungen, die Strecke von Steyr Lokalbahnhof bis Grünburg zu erwerben. Und seit 1985 wird dieser Abschnitt wieder als Museumsbahn mit Dampfzügen betrieben.

Im zweiten Teil der Sendung hören wir nun unter anderem Interviews mit einem der Lokführer und mit dem diensthabenden Fahrdienstleiter des Bahnhofs Grünburg. Zuerst aber begeben wir uns auf den Festplatz. Da wird gegessen und getrunken. Die Post ist da, mit Sondermarke. Ein Flohmarkt wartet auf mit eisenbahngeschichtlichen Büchern. Und ein Musikantenpaar singt zu Ziehharmonika und Gitarre das Steyrtalbahnlied.

Allein das Vorbeiziehenlassen der Wiesen, Auen, des Steyrflusses, der winkenden Menschen an den Bahnübergängen ist ein ungewöhnliches Erlebnis. Und hinterher kommen mir Gedanken, die mich ernst werden lassen:

Am Beginn der industriellen Entwicklung stand die Erfindung der Dampfmaschine, jene Einrichtung, die es erlaubte, über vorher nicht gekannte Energiemengen zu verfügen.

Wir sind bis heute berauscht von der Idee, unbegrenzte Mengen an Energie zu haben. Einem Alkoholsüchtigen, einer Alkoholsüchtigen gleich der/die immer mehr nach seinem/ihrem Suchtmittel greift, nicht erkennen wollend, dass es ihn/sie kaputt macht. Viele von uns meinen, allein das Wirtschaftswachstum und die deshalb nötige Steigerung der Energieproduktion würde unser Wohlergehen sichern. Folgerichtig schrecken wir nicht zurück, immer mehr Fossiles zu Treibhausgasen zu verbrennen, oder gar radioaktive Substanzen zu produzieren. Das wird unsere Lebensgrundlage zerstören. Es hat bereits begonnen. Kein ernstzunehmender Wissenschafter, keine ernstzunehmende Wissenschafterin bezweifelt: Der Klimawandel ist menschengemacht.

Als vor 130 Jahren die Steyrtalbahn auf Schiene und in ihre wirtschaftliche Blüte kam, schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Das ist das Gefühl, das immer dann aufkommt, wenn wir die großartigen Leistungen früherer Generationen erleben – etwa bei einer Fahrt mit der Schmalspurbahn, gezogen von Dampflokomotiven von Steyr nach Grünburg. Die Steyrtalbahn hat nicht nur Waffen transportiert, die das Desaster des 1. Welkrieges nicht abwenden konnten, sondern auch Güter, die wahren Wohlstand brachten. Mit ihr sind rechtschaffene Menschen für ihre Reisen zwischen Wohn- und Arbeitsplatz gefahren und wohl immer auch fröhliche Ausflügler, die einmal unbeschwert in den Tag leben wollten.

Unbeschwerte Tage mit der Steyrtalbahn kannst du  in der Sommersaison von Juni bis September an Samstagen und Sonntagen genießen. Dann noch einmal am 26. Oktober. Gefahren wird auch in der Adventzeit und an den dunklen Tagen der Rauhnächte bis zum 5. Jänner. Genaueres erfährst du auf der Webseite „steyrtalbahn.at“ oder per Telefon 0676 5368717.

Fremdmaterial in 130 Jahre Reisen mit der Steyrtalbahn
I hab hoit manchmal an Vogl by Maunaleit / Josef Köberl ©
Panorama by Knödel ©