• Soziale Feldforschungen in Siebenbürgen mit dem Ehrenkiberer Girtler
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Wer eine Reise angeht, weiß vorher nie genau. was so alles geschehen wird. Das ist im „normalen“ Leben – ich meine eines mit stetem Wohnsitz – zwar auch so, beim Reisen aber ist das viel stärker zu bemerken.

Vor der Reise hast du dir was ausgedacht. Du hast gewusst, warum du Koffer oder Rucksack gewählt hast. Du hast eingepackt, deinen Vorhaben und Erwartungen entsprechend. Du hast vielleicht eine Fahrkarte gebucht oder aber das Fahrrad gründlich überholt. Du hast dich schlau gemacht über die Gegend, die Geografie, die du zu bereisen gedenkst. Auf die Menschen hast du dich vorbereitet, auf ihre Kultur und ihre politische Organisiertheit. Du weißt was über ihre Geschichte und hast allenfalls ein Wörterbuch dabei.

Ähnlich bereite ich mich auf Interviews vor. Sie sind häufig der Kern meiner Sendung. Die heutige Sendung „Reise! Reise!“ ist – wie die allermeisten – vorproduziert. Meinen heutigen Gast habe ich etwa 6 Wochen vor dieser Ausstrahlung interviewt. Wir kamen in einem Café nahe der Wiener Uni zusammen. Die Kellner kennen ihn gut. Hält er doch so manche seiner Prüfungen dort ab, wird gemunkelt.

Einen richtig stillen Winkel hatte ich da freilich nicht erwarten können. Es war Sonntag Nachmittag und ziemlich viel Betrieb. Was macht man auf Reisen, wenn was nicht ganz so werden will, wie man es gerne hätte? Schauen was möglich ist, das Gute und Passable anerkennen und fröhlich bleiben! Darum, liebe Hörerin, lieber Hörer, muss ich auch dich nun bitten. Die Hintergrundgeräusche stören die akustische Wahrnehmung des Gesprochenen ein wenig, doch deren menschenfreundliche, humorvolle, ein wenig ins Sarkastische neigende Grundhaltung kommt durch – ich hoffe bis an dein Herz, dein Gemüt und ein wenig auch dein Schmunzel-Zwerchfell!

Den Namen meines heutigen Gesprächspartners wusste ich schon vorher: Roland Girtler. Auch seine Profession wusste ich: Universitätsprofessor, Soziologe, Schriftsteller. Außerdem wusste ich, dass er, wohin immer es möglich ist, mit dem Fahrrad fährt. Er gilt als Extrem-Radtouren-Fahrer. Das war mein ursprünglicher Ansatz, ihn zum Gespräch für „Reise! Reise!“ zu bitten.

Erstmals live erlebt habe ich Roland Girtler bei einer Lesung im Barockgarten des Christian in Schiedlberg. Gelesen hat der 78jährige damals nichts. Er wusste alles auswendig. Und er wusste viel. Das Publikum war begeistert, nicht zuletzt seiner humorvollen Pointen wegen. Die Menschenfreundlichkeit, die hinter seinen Ausführungen hervorschimmert, die seinem ganzen Lebensstil zugrunde zu liegen scheint. Damit hatte er die Begeisterung seiner Zuhörer gewonnen.

Ich traf mich also mit Roland Girtler im Cafe Landtmann, gleich neben der Oper. Ich hatte sehr damit gerechnet, von seinen Radtouren was zu hören zu bekommen. Natürlich frage ich erst mal nach seiner Biografie. Da sprudelt er auch schon los. Von der Mittelschulzeit in Kremsmünster ist er rasch bei Tassilo – 777. Dann zurück zu Karl dem Großen, den Vandalen den Bajuwaren und den Merowingern. Es dauert nicht lange, da sind wir gar im 12. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Roland Girtler springt von einem Ereignis zum anderen. Da muss man schon sehr aufpassen, wenn man da mit ihm springen möchte.

Es gibt eine Empfehlung für das sanfte Reisen: Vergiss, was du geplant hast, gib dich dem Flow hin und nimm an, was sein will.

Und das gilt wohl auch für das Interviewen.

Als ich merke, dass Girtler es mit den großartigen Fahrradtouren heute nicht mehr so hat wie in früheren, jüngeren Jahren, habe ich ihn auf seine soziologischen Forschungen bei den Landlern in Siebenbürgen angesprochen. Wir werden daher im 2. Teil der Sendung von seinen Feldforschungen in Siebenbürgen sprechen. Im 1. Teil hören wir Vieles aus der Biografie Roland Girtlers und alles was ihm rundherum an geschichlicher Tiefe und geografischer Breite einfällt.Soziale Feldforschungen in Siebenbürgen mit dem Ehrenkiberer Girtler

Fremdmaterial in Soziale Feldforschungen in Siebenbürgen mit dem Ehrenkiberer Girtler
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