• 45 Jahre Anti-AKW-Bürgerinitiative OÖ in Vordergründig-Hintergründig
    61:15
  • MP3, 320 kbps
  • 140.21 MB · Datei entsperren
Klicken Sie auf 'Download', um die Datei in der Originalqualität herunterzuladen.

„Bundeskanzler Kreisky kam uns mit seiner Volksabstimmung zuvor“

Von Peter Pohn   05. November 2018 03:26 Uhr

"Bundeskanzler Kreisky kam uns mit seiner Volksabstimmung zuvor"
Asta und Norbert Krejci haben die Zeitungsartikel über und Leserbriefe gegen das AKW in St. Pantaleon aufgehoben.

ST. PANTALEON-ERLA / ENNS. Am 5. November 1978  entschieden sich die Österreicher in einer Volksabstimmung gegen die Atomkraft – das Ehepaar Krejci aus Enns und Friedrich Witzany aus Sankt Florian kämpften in Oberösterreich gegen AKW-Pläne in St. Pantaleon.

Dort, wo auf dem Gemeindegebiet von Sankt Pantaleon-Erla (Bez. Amstetten) die Enns in die Donau mündet, befindet sich im Ortsteil Stein jenes Areal, auf dem Anfang der 1970er Jahre das zweite österreichische Atomkraftwerk (AKW) nach Zwentendorf gebaut werden sollte.

Nur drei Kilometer Luftlinie entfernt wohnt heute das Ehepaar Asta (72) und Norbert Krejci (78) aus Enns. Sie gehörten jener Bürgerinitiative an, die gegen das AKW in St. Pantaleon mobil machte. Im OÖN-Gespräch mit den OÖN erinnern sie sich an den Kampf gegen die Atomkraft, der heute vor 40 Jahren in einer Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf gipfelte.

Ab 1974 traten die Krejcis gegen die Pläne auf. Sie verteilten Flugblätter und Unterschriftenlisten, protestierten mittels Infoveranstaltungen und Aktionen – organisiert von Kernkraftwerkgegnern in ganz Österreich. Der Gegenwind habe sie und ihre Mitstreiter gestärkt, sagt Asta Krejci heute: „Wenn die Kraftwerksbetreiber nicht so oft mit leicht widerlegbaren Argumenten gearbeitet hätten, hätte sich der Widerstand nicht so stark entwickelt.“

Bürgerinitiative formiert sich

Auf die Gefahren der Atomkraft wurde Asta Krejci ab Herbst 1973 durch Artikel und Leserbriefe in den OÖNachrichten aufmerksam. „Ich habe noch heute einen Ordner voll mit Zeitungsartikeln“, sagt die damalige Hausfrau und Mutter zweier kleiner Kinder. „Durch die Leserbriefe wurde deutlich, dass es in Linz und Umgebung einige Leute gab, die ähnlich dachten wie wir. Daraus entstand unsere Bürgerinitiative“, erinnert sie sich.

Die verharmlosenden Argumente bezüglich der Gefahren ärgerten das Ehepaar. „Dadurch entstand ein Jetzt-erst-recht-Gefühl.“ Fachliche Beratung kam unter anderem vom späteren Direktor des Naturhistorischen Museums in Wien, Bernd Lötsch, und Peter Weish, der vier Jahre als Strahlenbiologe am Reaktorzentrum Seibersdorf arbeitete.

Ein ungleicher Kampf

1974 organisierte die Kernkraftplanungsgesellschaft in St. Pantaleon einen Infoabend. Kurz zuvor erhielt Norbert Krejci von seinem Onkel eine Broschüre, die von Störfällen in Kanada und Amerika berichtete. „Dort erhöhte sich die Zahl der Krebs- und Schilddrüsenerkrankungen. Wir haben gezielt Fragen dazu gestellt. Daraufhin wurde uns bei weiteren Veranstaltungen der Eintritt verwehrt.“

Doch davon ließ sich die Bürgerinitiative nicht abhalten. Bis zum Tag der Volksabstimmung am 5. November 1978 führte sie einen ungleichen Kampf gegen die Regierung und Kraftwerksbetreiber.

„Wir hatten kaum Geldmittel zur Verfügung, lediglich Spenden“, erinnert sich Asta Krejci. Die Bürgerinitiative vervielfältigte Infoblätter und druckte zahlreiche Unterschriftenlisten. Diese verteilten sie von Sankt Pantaleon aus bis in den Großraum Linz. Unterschrieben haben an die 75.000 Kraftwerksgegner.

„Wir wollten ein Volksbegehren erreichen. Mit der Volksabstimmung kam uns dann aber Bundeskanzler Kreisky zuvor“, sagt Norbert Krejci. Heute blickt das Ehepaar zufrieden auf seine Arbeit zurück. „Unsere Tätigkeit wird jetzt positiv bewertet und anerkannt“, freuen sich Asta und Norbert Krejci.

Quelle: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/linz/Bundeskanzler-Kreisky-kam-uns-mit-seiner-Volksabstimmung-zuvor;art66,3052306