• FROzine vom 15. März 2018
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Wir beschäftigen wir uns heute mit einer möglichen Arbeitszeitreduktion: Sind 30 Stunden pro Woche genug? Was wären die Auswirkungen der 30-Stunden-Woche? Wir führen Interviews mit Unternehmen, die sich bereits das Ziel einer 30-Stunden-Woche für die Mitarbeiter*innen gesetzt haben, und mit Arbeitssoziologin Susanne Pernicka (JKU) und machen eine Umfrage: Wieviele Arbeitsstunden pro Woche sind genug?

Während die Türkis-Blaue Bundesregierung flexiblere Arbeitszeiten durch Einführung eines 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche einführen möchte, beschäftigen wir uns heute im FROzine mit dem Thema Arbeitszeitreduktion und stellen die Frage: Sind 30 Arbeitsstunden pro Woche genug? Die 30-Stunden-Woche wurde bereits von der KPÖ im letzten Nationalratswahlkampf gefordert, und ist auch aktuell eine der Forderungen des Frauenvolksbegehren 2.0.

Wir fragen bei Klaus Krivacek von der Firma MAKAvA aus Graz nach, die bereits die 30-Stunde-Woche eingeführt haben: Was sind die Gründe dafür und wie kann das funktionieren? Beitrag nachhören

42,8 Arbeitsstunden haben Östereichs Vollzeitbeschäftigte im Jahr 2016 im Durchschnitt pro Woche gearbeitet. Dieser Wert sinkt allerdings seit Jahren kontinuierlich, 2006 waren es noch 44,2 Wochenstunden. Der Durchschnitt der EU-Länder gesamt liegt bei 41,4 Wochenstunden im Jahr 2016. Das sind Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat.

Für Überstunden gebührt ein Grundlohn plus ein Zuschlag von 50%. Kollektivverträge können Regelungen über höhere Überstundenzuschläge enthalten. Für Arbeitnehmer sind Überstunden nicht nur aufgrund des Zuschlags attraktiv, sondern auch weil der Zuschlag für die ersten 10 Überstunden im Monat einkommensteuerfrei ist (bis 2008 nur die ersten 5 Stunden). Der Gesetzgeber begünstigt somit Überstunden.

Ob erst ein Abbau der Mehrarbeit erfolgen muss, bevor eine generelle Reduktion der Arbeitszeit angedacht werden kann, hat FROzine-Redakteurin Katharina Wurzer bei Susanne Pernicka nachgefragt. Sie ist Politikwissenschaftlerin, Arbeitssoziologin und Abteilungsleiterin des Institutes für Wirtschafts- und Organisationssoziologie an der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Im Telefoninterview werden Fragen zur 30-Stunden-Woche und zur möglichen Ausweitung der Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden am Tag geklärt. Beitrag nachhören

Die Wirtschaftskammer warnt vor einer Arbeitszeitverkürzung und fordert mehr Flexibilisierung der Arbeitszeiten, wie dies auch im Regierungsprogramm der Bundesregierung vorgesehen ist. Bei einer Arbeitszeitverkürzung sei eine drastische Verkürzung der Personal-Ressourcen zu befürchten und die Betreuung der gesamten österreichischen Sozial- und Gesundheitsbranche gefährdet.

Arbeitszeit ist aktuell einer der Schwerpunkte der Initiative „Wie soll Arbeit“ von der AK und ÖGB bis Mai 2018. Laut einer Umfrage der AK Wien unter 17.000 Menschen sehen 59 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer ein Vereinbarkeitsproblem bei einem Zwölfstundentag mit Kindern.

 

Moderation: Michael Diesenreither