• PEGIDA
    56:05
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Thema der Sendung:

PEGIDA beweist es: Ausländerfeindschaft braucht keine Ausländer – ein beleidigtes „Wir Volk“ ist sich selbst genug

Den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA) wird auf verschiedene, insgesamt sehr schlechte Weise entgegengetreten:

  • Die einen, Politiker und Meinungsmacher, sagen: Die spinnen ja die Pegidas, die sehen Gespenster; als ob von der kleinen Minderheit der Moslems eine Islamisierung des Abendlandes zu befürchten wäre. Dazu verweist man noch gerne auf den Umstand, dass gerade in Dresden und im Osten überhaupt kaum Anhänger des Islam zu finden sind, was die Gefahrendiagnose der Pegida noch mehr ins Unrecht setzt. Diese Pegida-Kritiker weigern sich einfach, sich zu erklären bzw. zu kritisieren, was vorliegt, wenn Mitbürger eine Moschee im Stadtteil für einen Angriff auf sich halten, wenn sie sich von Frauen mit Kopftüchern – sofern es sich nicht um bäuerliche Marktfrauen oder Ordensschwestern handelt – herausgefordert oder sich in Straßenbahn und Supermarkt unwohl fühlen, sobald sie Nebenstehende als Ausländer oder Moslems zu erkennen glauben und dann einen Verlust ihrer Heimat beklagen. In einer Welt von Parallel-Gesellschaften, an denen sie alle nicht teilhaben, deren Innenleben sie nicht kennen und auch gar nicht kennen wollen (je nachdem: christliches Leben in der Kirche, das Leben der Reichen, die Kommunikationsgewohnheiten von Professoren oder Fußballfans usf.), finden sie diese eine – islamische – Gemeinde, ihre Riten und Sitten unerträglich. In ihrem Vaterland wollen sie sich erst wieder daheim fühlen, wenn sie von dieser Zumutung befreit sind. Manchen Politikern genügt es, dieses politische Gefühlsleben als grundlose, irrationale Phobie abzuhaken und zu ignorieren; andere lassen es als selbstverständliches, vielleicht irrationales aber doch urmenschliches Bedürfnis – Überfremdungsangst“ – gelten und versprechen Abhilfe.
  • Andere übersetzen sich die Anti-Islamisierungs-Demos gleich in etwas ganz anderes: Sie deuten sie als Ausdruck „sozialer Abstiegsängste von Modernisierungsverlierern“, nehmen sie als Protest gegen Niedriglohn, Hartz-IV, schlechte Schulen und Aufstiegschancen für die Jugend. Auch dafür bietet Pegida ja Stoff: „Es gibt in unserem Land genug arme Menschen, da sollte der Staat nicht auch noch Fremde hereinholen. Wir sind nicht das Sozialamt der Welt!“ –Wenn es aber so sein sollte, warum demonstrieren die Leute nicht gegen schlechte Löhne, niedrige Renten, schlechte Ausstattung der Schulen etc., sondern gegen eine Islamisierung? Politiker sozialer Parteien ignorieren einfach die Übersetzung – übersetzen sie quasi zurück – und stellen dann Sozialpolitik in Aussicht, um die Wutbürger wieder einzufangen und von ihren zwielichtigen Anführern zu trennen.
  • Auch die besseren Deutschen auf den zahlreichen Anti-Pegida-Demonstrationen verspüren gar nicht das Bedürfnis sich über Pegida ein Urteil zu bilden, ihnen genügt das Verurteilen: Was da marschiert, sind Rassisten und bildungsferne Hinterwäldler. Ihren unbegründeten, weiter nicht der Befassung würdigen Un-Werten setzt man bessere Werte – Toleranz, Weltoffenheit, Modernität entgegen – und ist schon fertig mit den bösen Patrioten, wenn man sie in der Nation ins Abseits stellt.

Alle diese Anti-Pegida-Stellungnahmen nehmen den politischen Standpunkt dieser Demonstranten zur Kenntnis und lehnen ihn rundweg ab – als eine Bösartigkeit, die mit unserem Gemeinwesen und seiner Ordnung nichts zu tun hat. Ein Interesse daran, zu verstehen, worin die Politisierung von Pegida überhaupt besteht, haben sie alle nicht. Tatsächlich hat man es bei dem, was manchem als Rassismus, rätselhafter Verfolgungswahn oder hinterwäldlerische Dumpfköpfigkeit vorkommt, mit einer Konsequenz genau der politischen Grundbildung zu tun, die die regierte Menschheit im demokratischen Staat braucht und hat. Das soll an zwei zentralen Parolen der PEGIDA-Demonstrationen nachgewiesen werden und zwar an den beiden Parolen

  1. „Wir sind das Volk“ und
  2. „Für den Schutz der christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur“, „Schweinefleisch statt Döner“.

Mitschnitt eines Vortrages von Dr. Peter Decker, Redakteur der Zeitschrift Gegenstandpunkt.

Literaturtipp: Artikel „PEGIDA beweist es: Ausländerfeindschaft braucht keine Ausländer – ein beleidigtes „Wir Volk“ ist sich selbst genug“ aus Gegenstandpunkt Nr. 1/2015

Nähere Informationen unter http://www.gegenargumente.at

 

 

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Produziert am:
12. Oktober 2016
Veröffentlicht am:
12. Oktober 2016
Thema:
Politik
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