Im Gespräch: Christiane Jogna über Ruth Hálovás Buch „Allein durch Gnade“

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  • 20160627_Im Gespraech_christina jogna über ruth halova_60-00
    59:59
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Ruth Hálová, heute 90 Jahre alt, war eines von 669 jüdisch tschechischen Kindern, die von Sir Nicholas Winton, einem britischen Staatsbürger, kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges vor dem Holocaust gerettet wurden, indem er ihnen die Ausreise nach England und die Unterbringung bei britischen Gasteltern organisierte. Nun hat sie über ihr Leben ein Buch geschrieben, es heißt „Allein durch Gnade“ und wurde von Bernhard Riepl, Gerlinde Aumayr und Christiane Jogna nun auch ins Deutsche übersetzt. Anlässlich der Ausstellungseröffnung „Sophies Entscheidung“ in Windhaag, die ein ähnliches Thema hat, nämlich die Rettung jüdisch tschechischer Jugendlicher, stellte Christiane Jogna das Buch vor und ich bat sie zu einem Gespräch ins Studio.

Bernhard Riepl wiederum besuchte die Autorin Ruth Hálová, die heute nahe bei Krumau wohnt, und blätterte mit ihr in ihren Erinnerungen. Dabei entstanden Aufnahmen mit Liedern und Texten, die wir zwischen durch eingefügt haben. Es sind Kinder- und Volkslieder und ziemlich am Schluss hat sie auf Bernhards Bitte hin die tschechische Hymne gesungen und indische Texte aus dem Sanskrit rezitiert, weil sie diese Art der Spiritualität für sich entdeckte, ohne sich grundsätzlich von jüdischen und christlichen Werten getrennt zu haben.

Im Gespräch mit Christiane kam es zu einer missverständlichen Formulierung dort, wo darüber gesprochen wird, dass die Famlien gezwungen waren, sich zu entscheiden, welches Kind gerettet werden dürfe. Das war im Fall der Geschichte von „Sophies Wahl“ tatsächlich so und sozusagen eine Potenzierung der Furchtbarkeit. Im Fall der „Winton-Kinder“ traf das aber nicht zu. Im Gegenteil wurde versucht, Geschwister möglichst beisammen zu lassen. Auch Ruths Schwester konnte so den Zweiten Weltkrieg in England. überleben. Aber schon die grundsätzliche Frage, ob jemand gerettet wird oder nicht, ist schlimm genug und sollte uns auf faschistische Tendenzen jeder Art mit großer Wachsamkeit blicken lassen.

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