• frozine06052016
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„Preguntando caminamos.“ So einer der Lebensphilosophien der zapatistischen Bewegung in Chiapas, Mexiko. Wir wollen die heutige Sendung dem Widerstand im Sinne „Einer Welt, in der viele Welten Platz haben.“ („Un mundo donde quepan muchos mundos.“) widmen.
¡YA BASTA!
Der Aufstand der Zapatistas in Chiapas/Mexiko und solidarischer Handel mit zapatistischem Kaffee
Die Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN, zu Deutsch: Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung) ist eine überwiegend aus Indigenas bestehende Organisation in einem der ärmsten – wenn auch eigentlich sehr rohstoffreichen – Bundesstaaten Mexikos, nämlich Chiapas. Erstmals in Erscheinung trat sie am 1. Januar 1994 mit einem bewaffneten Aufstand. Tausende indigene Frauen und Männer, die sich in der EZLN organisiert hatten, besetzten die Regierungssitze von 7 Städten im Bundesstaat Chiapas. Sie nahmen sich in den ersten Jännertagen einen Teil der Ländereien zurück, die ihre Vorfahren jahrhundertelang bewirtschaftet hatten und das wieder zurück gewonnene Land wurde in Folge unter der kleinbäuerlich-indigenen Bevölkerung aufgeteilt. Die zentralen Forderungen im Zuge des Aufstands der EZLN waren Gleichheit, Gerechtigkeit, Freiheit, Unabhängigkeit, Land, Arbeit, Gesundheit, Bildung und Frieden. Sie riefen die Bevölkerung Mexikos auf, die mexikanische Bundesregierung abzusetzen, das Land radikal zu demokratisieren und eine Abkehr von der neoliberalen Wirtschaftspolitik durchzusetzen. Seitdem setzten sich die Zapatistas also mit politischen Mitteln für die Rechte der indigenen Bevölkerung Mexikos, aber auch generell gegen neoliberale Politik und für autonome Selbstverwaltung ein.

Der Name ist eine Reverenz an Emilio Zapata, einen der historischen Führer der mexikanischen Rervolution, in dessen Tradition sich die EZLN sieht. Als mexikanische Revolution wird die politisch-gesellschaftliche Umbruchsphase bezeichnet, deren Beginn auf das Jahr 1910 datiert wird, als oppositionelle Gruppen damit begannen, den Sturz des diktatorisch regierenden mexikansichen Langzeitpräsideten Porfirio Díaz herbeizuführen. Damals verfügte rund ein Prozent der Bevölkerung in Mexiko über den Besitz und die Kontrolle von 96 Prozent des Grund und Bodens. Mit dem Aufstand gegen diese untragbaren Verhältnisse ging eine Serie von zum Teil überaus blutigen Kämpfen und Unruhen einher, die große Teile Mexikos erfassten und bis weit in die 20er Jahre anhielten. Dabei wurden nicht nur die Interessengegensätze der sehr unterschiedlichen politisch-sozialen Trägergruppen der Mexikanischen Revolution ausgefochten, sondern zum Teil auch eine echte soziale Revolution verwirklicht. Tragend für die sozialrevolutionäre Seite der Revolution war vor allem die zapatistische Bewegung, die sich wiederum damals auf die Ideen der anarchistischen Magonistas stützte, die unter der Parole Tierra y Libertad („Land und Freiheit“) einen indigenen Kollektivismus und libertären Sozialismus propagierten.

Auch deshalb wird oft zwischen Zapatistas und Neozapatistas unterschieden, da die EZLN, wie sie heute bekannt ist, erst Anfang der 90er Jahre öffentlich sichtbar wurde, und zwar als erste linke Guerillabewegung, die nach dem Zusammenbruch der im sogenannten Ostblock zusammengeschlossenen sozialistischen Staatengemenschaft in Erscheinung getreten ist. Denn auch wenn Porfirio Díaz im Zuge der mexikanischen Revolution abgesetzt und einige wichtige Reformen mit der Revolution erzielt wurden, lebten sehr viele Indígenas bis in die 1980er und 1990er in Armuts- und Abhängigkeitsverhältnissen.

Die EZLN fand – u.a. durch das damals noch neue Medium Internet – weltweit Anklang, insbesondere von den Bewegungen gegen Neoliberalismus und den Kapitalismus. Grund dafür war vor allem die entschlossene Selbstorganisierung der Zapatistas, der Aufbau eigener Strukturen, die Herauslösung aus bestehenden wirtschaftlichen Strukturen und und ihre Bereitschaft, sich mit anderen sozialen Bewegungen in Mexiko und weltweit zu vernetzen. Im Gegensatz zu anderen Guerillabewegungen geht es im Diskurs der Zapatistas nicht darum, die Macht im Staat zu übernehmen, sondern sie betonen ihren basisdemokratischen Anspruch und zielen auf den allmählichen Aufbau autonomer Strukturen auf kommunaler und regionaler Ebene ab. Die EZLN fordert die Selbstbestimmung der Menschen und ruft in diesem Sinne zum weltweiten Kampf gegen die kapitalistische Globalisierung auf. Nach wie vor ist es leider so, dass sie immer wieder bedroht und angegriffen wird, einerseits von rechtsgerichteten Paramilitärs, denen die EZLN Verbindungen zum Militär und zur Regierung nachsagt, welche in der Vergangenheit auch belegt wurden, sowie von der Regierung selbst.

Doch davon lassen sie sich nicht beirren – denn die EZLN und die zapatistischen Basisgemeinden haben erheblichen Einfluss auf die Stärkung der sozialen Bewegung in Mexiko, zahlreiche durch sie initiierte Mobilisierungs- und Vernetzungskampagnen innerhalb Mexikos und auf internationaler Ebene machen die Bedeutung der zapatistischen Bewegung bis heute deutlich. Ihr „YA BASTA!“ („Es reicht!“) gibt seit 1994 vielen Gruppierungen und Menschen auf der ganzen Welt Kraft und Hoffnung und beweist, dass emanzipatorischer Widerstand möglich ist.

Nähere zur Geschichte der Zapatistas kannst du u.a. hier finden.

Das Kaffeekollektiv Aroma Zapatista ist ein selbstverwalteter Kollektivbetrieb aus Hamburg. Die zentralen Punkte ihrer Arbeit sind zum einen der solidarische Handel mit Kaffee der zapatistischen Bewegung sowie der indigenen Widerstandsbewegung CRIC und die direkte Unterstützung der selbstverwalteten Strukturen in Chiapas (Mexiko) und des CRIC im Cauca (Kolumbien). Zum anderen steht auch eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Arbeits- und Wirtschaftsstrukturen sowie die praktische Umsetzung von Alternativen im Vordergrund der Arbeit des Kollektivs.

Am 24.4.2016 waren zwei Referent*innen von der Gruppe B.A.S.T.A. (Münster) und dem Kaffee-Kollektiv Aroma Zapatista zu Gast im Hausprojekt Willy*Fred, um einen näheren Einblick in die Geschichte und Forderungen der Zapatistas und auch das Kollektiv Aroma Zapatista an sich zu geben, dessen Angebot mittlerweile auch schon über Kaffee hinaus reicht…

Sarah Praschak war vor Ort.

Die zapatistische Musik, die in der Sendung zu hören ist, stammt von LOS JUANITOSZ und der Song heißt TIERRA Y LIBERTAD.