• 2016.04.05_1800.10-1850.10__FROzine
    49:52
  • MP3, 192 kbps
  • 68.5 MB · Datei entsperren
Klicken Sie auf 'Download', um die Datei in der Originalqualität herunterzuladen.

Wir beschäftigen uns in dieser Ausgabe des Infomagazins FROzine mit Grenzen. Zum Beispiel anhand einer Filmreihe im Kunstraum Goethestraße xtd.

Grenzen sind Trennlinien.

Sie markieren nicht nur geografische Räume, sondern schaffen Rahmen, die ein Innen und ein Außen konstituieren. Sie sind Teil eines Ordnungssystems, das jeden Menschen und jeden Moment auf eine bedeutungsvolle Art beeinflusst.

Doch die Geschichte zeigt uns, dass Grenzen keine starren Größen sind. Sie sind abhängig von Zeiten und Orten, von historischen Entwicklungen und individuellen Handlungen. Grenzlinien sind beweglich, sie werden nicht selten hinterfragt, unterbrochen und verschoben, können sogar verwischt oder komplett aufgehoben werden. Die Filmreihe Blurring Borders zeigt an sechs Terminen ausgewählte Filme, die unterschiedliche Begrenzungen thematisieren und Kategorisierungen in Frage stellen. Identitätsgrenzen, Staatsgrenzen, Realitätsgrenzen – an jedem Abend stehen andere Grenzziehungen im Fokus, deren konkrete Ausdehnung während des Sehens zu verschwimmen beginnt. So werden thematisch Grenzen verwischt, häufig mit filmischen Mitteln Genres überquert und dank unterschiedlicher Produktionsländer kulturelle Grenzen ausgeweitet.

Die Filmreihe wurde von Sylvia Sadzinski und Sebastian Klausner in Kooperation mit dem Kunstraum Goethestraße xtd zusammengestellt. Beide sind wissenschaftliche Mitarbeitende am Institut für Frauen und Geschlechterforschung der JKU Linz und waren live bei uns im Studio zu Gast.

Grenzen sind Trennlinien.

Und so, wie sie ein Innen und ein Außen konstituieren, trennen sie auch das „Wir“ von „den Anderen“. Genau nach diesem Mechanismus funktionieren auch Abschiebungen. „Wir“ wollen entscheiden, was mit „denen“, die da zu uns wollen, geschehen soll. Kürzlich kam nun also genau aus diesem Grund, wenn auch etwas vereinfacht dargestellt, das EU-Türkei-Abkommen zustande. Mit diesem sollen flüchtende und schutzsuchende Menschen von Griechenland zurück in die Türkei abgeschoben werden, obwohl diese nicht als sicherer Drittstaat bezeichnet werden kann. Gleichzeitig soll auch die Aufnahme syrischer Flüchtlinge aus der Türkei in die EU starten. Das UN-Flüchtlingshochkommisariat UNHCR zeigt Bedenken bezüglich des Abkommens, da betroffene Menschen in der Türkei keinen Schutz vor Abschiebungen hätten – seit Jänner sollen fast täglich Gruppen von bis zu 100 Menschen gegen ihren Willen zurückgeschickt worden sein – und außerdem die Kapazitäten für eine ordnungsgemäße Behandlung von Asylsuchenden nicht ausreichen sollen. Auch die NGO Amnesty International zeigt diesbezüglich Bedenken und wirft der Türkei vor, Flüchtlinge systematisch nach Syrien abzuschieben. Auf der griechischen Insel Chios kam es zu Protesten von Flüchtlingen gegen ihre Internierung. Die Polizei wendete laut der Nachrichtenagentur ANA sogar Blendgranaten an. Drei Flüchtlinge wurden bei den Auseinandersetzungen schwer verletzt.

Trotzdem hat es am 4.4.2016 die ersten Abschiebungen gestrandeter Flüchtlinge auf den griechischen Inseln Lesbos und Chios gegeben. Insgesamt sollen an diesem Tag bis zu 500 Flüchtlinge von Lesbos ins türkische Dikili gebracht werden.

Mehr dazu wissen unsere Kolleg*innen von Radio Corax in Halle zu berichten.

Durch die Sendung führt Sarah Praschak.