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Ja, der internationale Frauentag ist auch noch im Jahr 2016 nötig!

Denn nach wie vor werden Frauen und Männer nicht gleich behandelt. Es existieren nach wie vor, vor allem im Bezug auf Frauen, klare Rollenvorschreibungen und egal ob beim Lohn, bei Pensionen, bei der Kindererziehung oder in der Hausarbeit steigen Frauen im Durchschnitt schlechter aus als Männer. Ganz zu schweigen davon, dass Frauen nach wie vor nicht selten Opfer von Missbrauch und sexueller Gewalt sind. Doch nein, wir wollen heute nicht schweigen!

Wir Frauen sitzen weniger oft im Parlament, sind seltener in der Regierung vertreten – in Griechenland, Ungarn und der Slowakei sitzt nicht einmal eine einzige Frau in der Regierung – und auch in Film & Fernsehen sieht man uns beträchtlich seltener vor der Kamera als Männer. Wie eine Analyse von 2,3 Millionen Artikeln in 950 Onlinepublikationen über einen Zeitraum von 6 Monaten im Jahr 2015 ergab, erfolgt eine bildliche Darstelllung von Frauen nur bei 23%. Im Sport z.B. sind es gar nur 9%. Zeit also, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen und es in anderen Fällen auch hin und wieder abzugeben, denn nach wie vor verrichten z.B.  großteils Frauen die Arbeiten im Haushalt – laut einem Bericht im Standard 92%, Frauen wenden laut diesem Bericht im Schnitt pro Tag 4 Stunden für den Haushalt & Einkäufe auf, Männer hingegen verrichten nur zu 74% Arbeiten im Haushalt, 2,5 Stunden pro Tag im Schnitt. Das hätte zwar wohl vor einigen Jahren noch schlimmer ausgesehen, ungerecht ist und bleibt die Situation trotzdem.

Ungerecht ist auch, dass Frauen im Film offensichtlich unterrepräsentiert sind. In Österreich sind nur 17% der Produzent*innen weiblich, 32% der Drehbuchautor*innen und 34% der Regisseur*innen sind Frauen. Auch bei den Filmförderungen sieht’s für Frauen schlecht aus, nach den Berechnungen von „FC Gloria Frauen Vernetzung Film“ schwankt die Aufteilung der österreichischen Filmförderung (diese beträgt insgesamt 55 Millionen im Jahr) in den letzten 10 Jahren zwischen 20-25% auf Frauenseite. International gesehen sieht die Lage keineswegs rosiger aus, der Frauenanteil der Jobs hinter den Kulissen der 250 erfolgreichsten Filme an den US-Kinokassen liegt etwa nur bei 19%.

In Österreich liegt der Bruttostundenlohnunterschied zwischen Männern und Frauen bei 22,90€. Für eine Stunde Arbeit bekommt eine Frau in Österreich im Schnitt fast ein Viertel weniger als ein Mann. Frauen verdienen also nach wie vor beträchtlich weniger als Männer und bekommen auch dementsprechend im Alter weniger Pension, was auch daran liegt, dass Frauen um einiges öfter im Teilzeitbereich tätig sind als Männer. Frauen mit Kindern unter 15 Jahren sind zu 67,3 Prozent teilzeitbeschäftigt, Männer hingegen nur zu 5,6%. Nun kann man vielleicht davon sprechen, dass es nur intelligent ist, sich nicht jede Woche 40 Stunden durch den Arbeitsalltag zu quälen, Fakt ist aber, dass meist die Kindererziehung der Grund dafür ist, warum Frauen sich öfter für einen Teilzeitjob entscheiden, ganz einfach deshalb, weil sie sich nicht auf die Unterstützung von ihrem Partner verlassen können. Auch bei der Karenz gibt es nach wie vor leider wenig Väterbeteiligung, die liegt im Jahr 2015 bei 18,12%.

Abseits von fehlender Unterstützung in der Partnerschaft sind Frauen auch nach wie vor massiv von Gewalt betroffen. Jede dritte Frau wurde mindestens ein Mal in ihrem Leben physisch bzw. sexuell missbraucht. Es gibt mittlerweile 119 Länder, welche Gesetze gegen häusliche Gewalt verabschiedet haben, 125 Länder, welche Gesetze gegen sexuelle Belästigung verabschiedeten, jedoch nach wie vor nur 52 Länder, welche Gesetze gegen Vergewaltigung in der Ehe verabschiedet haben. In den meisten Ländern haben weniger als 40 Prozent der Frauen, welche Opfer von Gewalt wurden, Schutz erhalten. Wenigstens dokumentiert werden Gewaltdelikte gegen Frauen mittlerweile öfter, taten dies im Zeitraum von 1995-2004 nur 44 Länder, so sind es im Zeitraum 2005-2014 schon 89.

Es gibt also weltweit und natürlich auch in Österreich noch viel zu tun, was die Gleichbehandlung und Gleichstellung aller Geschlechter betrifft. Überraschen mag eine/n, dass in Österreich mittlerweile schon mehr Frauen als Männer ein Hochschulstudium abschließen, frau kann sich also durschaus auf die Schulter klopfen, es tut sich was, zumindest in mancherlei Hinsicht. Doch: Der Kampf geht weiter, und wir dokumentieren ihn in dieser Sendung, mit einer Liveschaltung zum Feminismus & Krawall-Trouble in der Linzer Innenstadt, einem Beitrag unter dem Titel „Votes for Women! Den Frauen das Stimmrecht!“, in welchem sich Christa Edlmayr mit den Suffragetten auseinandersetzt, einem Gespräch mit der Altmünsterer Bürgermeisterin Elisabeth Feichtinger und zu guter Letzt einem Gedicht zum internationalen Frauentag von der nicaraguanischen Schriftstellerin und Feministin Gioconda Belli.

http://www.feminismus-krawall.at/

http://derstandard.at/2000032415852/Gehaltsschere-Bildungsstand-und-Lebenserwartung-Die-Kluft-zwischen-den-Geschlechtern

Durch die Sendung führt Sarah Praschak.

CC-Musik in der Sendung:

Kellee Maize

Fragman – Girls Night

Le Vielleis Salopes – Destinée