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Wegstrecken, Folge 233, 16. Februar 2016

Am 26. Februar wird die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 vom bisherigen Endpunkt Doblerholz bis zur Trauner Kreuzung in Betrieb gehen. Einen Tag später wird einem bedeutsamen Kapitel Linzer Verkehrsgeschichte der Garaus gemacht.

„Am 27. Februar 2016, in der Nacht von Freitag auf Samstag um 00:30 Uhr, tritt die Sperre der Eisenbahnbrücke für alle Verkehrsteilnehmer in Kraft“ heißt es dazu in der Presseaussendung der Stadt Linz vom 11.02., betitelt mit „Begleitmaßnahmen für den Verkehr bei Sperre Eisenbahnbrücke“.

Zu kurz kommen in dieser Aussendung – wie könnte es auch anders sein – die Anliegen der Menschen, die diesen Verkehrsweg bisher zu Fuß oder per Fahrrad genützt haben. Dabei wurde sogar der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ), dem man wahrlich nicht vorwerfen kann, sich zu wenig um die Anliegen der Autofahrenden zu kümmern, in einem OÖN-Artikel vom Dezember des Vorjahres dahingehend zitiert, dass die Sperre der Eisenbahnbrücke insbesondere radfahrende und zu Fuß gehende Menschen betreffen werde.

Die Wegstrecken werden jedenfalls die Geschichte der Eisenbahnbrücke Revue passieren lassen. Aus Sicht der Mühlkreisbahn, für die diese Brücke ja vor allem errichtet worden war, ist man wieder in den Jahren vor Baubeginn bzw. Vollendung der Eisenbahnbrücke angelangt, ich halte dies nicht für eine historische Fußnote, sondern für einen markanten Beweis für ein mannigfaltiges verkehrspolitisches Versagen.

Die Linzer Eisenbahnbrücke wurde am 14.11.1900 – gemeinsam mit der „Lokalbahn Abzweigung Linz-Umschlagplatz (an der Linzer Donauseite) bis Linz-Urfahr – eröffnet. Am 27.02.2016, 0.30 Uhr, erfolgt die Sperre der Brücke für den gesamten Verkehr, am 29.02.2016 beginnen die Abbrucharbeiten mit dem Abtragen der Fahrbahn. Die Brücke wurde von Beginn an auch im Straßenverkehr benützt, im Gegensatz zur Steyregger Brücke der Summerauer Bahn. Beide Brücken wiesen mit Holzbrettern beplankte Gehwege außerhalb der Brückentragwerke auf, die Steyregger Brücke jedoch nur einen, der jedoch vermutlich um Erhaltungskosten zu sparen, vor etwa 20-25 Jahren bis auf einige „Inseln“, die bei Gleis- oder sonstigen Sanierungsarbeiten auf der Brücke Verwendung finden, abgetragen wurde. Anfang der 1990er Jahre wurde der stromaufwärts gelegene Gehweg der Eisenbahnbrücke verbreitert und mittels Gitterrosten in einen Zweirichtungsradweg umgewandelt. Da die Überquerung der Straße an den jeweiligen Brückenenden für damit auf die andere Brückenseite verbannte FußgängerInnen mitunter lebensgefährlich ist (bzw. ab 27.2. war), wurde der Radweg auch häufig von zu Fuß Gehenden benützt, was meistens ohne gröbere Konflikte zwischen Radfahrenden und zu Fuß Gehenden vonstatten ging.

Im Beitrag über die Eisenbahnbrücke fanden Zitate aus Christian Hagers Buch „Die Mühlkreisbahn“, erschienen 1988 im Verlag Ennsthaler, Verwendung. 

Näher beschäftigt habe ich mich anlässlich meines Beitrages über die Eisenbahnbrücke auch mit dem unter „Begleitmaßnahmen für den Verkehr bei Sperre Eisenbahnbrücke“ (siehe auch den erstfolgenden Link) angekündigten Bau der Umkehrschleife Lindbauer, die zwischen März und September 2016 errichtet werden soll, um die Kapazitäten der Straßenbahnlinien 1 und 2 in der Morgenspitze in Richtung Innenstadt zwischen 7 und 8 Uhr zu erhöhen. Dieses geplante Bauwerk stößt nicht nur bei mir auf größeres Misstrauen, ich meine, man könnte mit geringerem Aufwand eine ähnliche Wirkung erzielen, daher habe ich inzwischen auch ein Schreiben an die LINZ AG verfasst, das ich an die Beschlagwortung dieser Sendung „anhänge“. Auf die Reaktionen darauf bin ich gespannt, ich hoffe, in der nächsten Sendung darüber berichten zu können.

http://www.linz.at/presse/2016/201602_81911.asp

http://www.linz.at/presse/2016/201602_81856.asp

https://de.wikipedia.org/wiki/Linzer_Eisenbahnbr%C3%BCcke

Erfreulicher ist da schon die bevorstehende Eröffnung (25.2.) und offizielle Inbetriebnahme (26.2.) der nächsten Etappe der Verlängerung der Straßenbahn Linie 3 Richtung Traun – bis zur Haltestelle Trauner Kreuzung Park&Ride. Im Herbst 2016 soll (und wird aller Voraussicht nach) auch der weitere Ausbau bis Schloss Traun in Betrieb gehen, womit der Linzer Straßenbahnbetrieb auch erstmals eine Linie 4 erhalten wird. Details zur nunmehr bevorstehenden Inbetriebnahme des Abschnitts bis zur Trauner Kreuzung ebenfalls in dieser Sendung.

http://www.schiene-ooe.at/index.cfm?seite=fahrplan1

http://www.schiene-ooe.at/index.cfm?seite=regiotram-projekte&sprache=DE

Weiters in der Ausgabe 233 der Sendereihe Wegstrecken: die beliebten Euregio-Tickets wurden von den ÖBB gewohntermaßen klammheimlich mit Dezember 2015 weitestgehend aus dem Angebot entfernt, darunter auch das für Fahrten auf Mühlkreis- und Summerauerbahn sowie einiger Eisenbahnstrecken in Südböhmen äußerst attraktive Donau-Moldau-Ticket, das vor allem, aber nicht nur bei Fahrradmitnahme auch für Binnenfahrten auf den erwähnten Strecken im Mühlviertel günstiger war als herkömmliche Einzelfahrkarten.

Und natürlich wird auch die ÖBB-Streckeninformation, also Informationen über Einschränkungen im Eisenbahnverkehr, wieder Platz in der Sendung finden, ebenso Kurzmeldungen und die mit der Jänner-Sendung eingeführte Kolumne „Die rote Karte“, diese Auszeichnung wird für besonders markante Vergehen im Bereich Mobilität vergeben.

Die rote Karte“ erhielten diesmal die ÖBB, einerseits der Abschaffung des „Donau-Moldau-Tickets“ und anderer Euregio-Fahrkarten wegen, andererseits aufgrund des bevorstehenden „Baustellen-Sommers“, der auf zahlreichen Eisenbahnstrecken im gesamten Bundesgebiet und somit auch in OÖ einiges an Schienenersatzverkehren mit sich bringen wird, ich frage mich – und werde diese Frage bis zur nächsten Sendung auch an die ÖBB richten – warum seit Jahren auf vielen Eisenbahnstrecken kein ganzjähriger Personenverkehr auf der Schiene mehr möglich ist.

Erich Klinger, Redaktion Wegstrecken, 18.02.2016

Musik: Heli Deinboek; Dota Kehr; DAWA