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Wir sprachen hin dieser Sendung mit Philipp Ikrath über sein kürzlich erschienenes Buch „Die Hipster – Trendsetter und Neospießer“.

 

Was sind Hipster eigentlich?

Die Klischees über Hipster sind bekannt und breitgetreten: Die Männer tragen Vollbärte und Umhängetaschen, die Frauen Leggings bzw. Jeggings oder Vintage-Kleidchen, verspielte Hüte und Hauben. Hipster eröffnen Grafik-Agenturen, Kaffeeröstereien und Bioläden in den angesagtesten Vierteln der Stadt, spielen Tischtennis während der Arbeitszeit und feiern die Retro-Kultur.

Der Jugendforscher Philipp Ikrath versucht das Phänomen der Hipster gesamtgesellschaftlich zu fassen und geht der mysteriösesten Spezies im artenreichen Biotop jugendlicher Lebensstile auf den Grund. In den 1950er-Jahren das erste Mal vom US-amerikanischen Schriftsteller Norman Mailer als jugendlicher Bohemien entdeckt, zeigt sich der Hipster heute hochgradig individualisiert an der Oberfläche, in seinen Tiefenschichten aber durch und durch konformistisch. Seine berüchtigte Ironie gilt den einen als letzter Beweis für den Untergang politischer Jugendkulturen. Andere feiern sie als endgültigen Sieg über eine längst überkommene bürgerliche Ernsthaftigkeit.

Tatsächlich steht der Typus des dominierend männlichen Hipsters für das neoliberale Prinzip in Reinkultur, wenn er sich auch selbst nicht zum Mainstream zählt und seinen Konsumismus als „bewusst“ legitimiert.

Wer den Hipster und seine Artverwandten (angefangen beim „Bobo“ über „Normcore“ bis hin zum „Nipster“) verstehen will, muss sich die Umstände vor Augen führen, die diese Phänomene hervorgebracht haben. Denn junge Subkulturen, egal ob rebellisch oder angepasst, sind immer als Ausdruck der sie umgebenden gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen zu verstehen.

Wir haben uns live via Telefon mit Philipp Ikrath näher über das Phänomen Hipster unterhalten.

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Weltempfänger: Ecuador – Gutes Leben statt schwarzem Gold

Ecuador war lange Zeit bekannt als die Nachspeisennation. Doch Bananen und Kakao wurden in den 1970er Jahren von einem anderen Exportschlager verdrängt. Erdöl. Diktatoren, Neoliberale, Sozialisten des 21. Jahrhunderts – sie alle feierten und feiern das schmutzige Schmiermittel nationaler Entwicklung. Doch welcher Nation eigentlich?

Ecuador hat sich 1996 mit einer Verfassungsreform zum plurinationalen Staat erklärt. Indigenas werden seitdem eine Vielzahl von Kollektivrechten garantiert. Mehr als ein Dutzend ethnische Gruppen genießt einen breiten Anspruch auf Selbstbestimmung. Doch beim Öl hört die politische Mitsprache auf, die Wirtschaft des Landes ist stärker denn je abhängig von sprudelnden Pipelines. Und so sind sind Bodenschätze unter indigenen Territorien für viele Gemeinden zur kollektiven Zerreißprobe geworden: Fördern oder nicht fördern?

Eine Gemeinde, die diese Frage früh für sich beantwortet hat, ist Sarayaku, gelegen mitten im ecuadorianischen Amazonas. Gefördert wird nicht. Und das, obwohl reichlich Erdöl unterm Waldboden lagert. Sind die Kollektivrechte also doch ganz brauchbar – oder hat das Dorf einfach einen guten Draht zur Pachamama? Dieser Frage geht Nils Brock nach.

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Durch die Sendung führt Sarah Praschak.