• 20140925-Die Kelten und das Matriarchat, zwischen Fakt und Fiktion
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Vortrag des Vereins Brennos – Verein für Keltologie

Vortrag von Cornelia Kleiber:
Der Vortrag thematisiert die Problematik des Begriffs „Matriarchat“ und die Verwendung dessen in der modernen Literatur, Wissenschaft und Pseudowissenschaft. Ich möchte mich in meinem Vortrag auf die theoretischen Ansätze begrenzen und kurz auf die wichtigsten Vertreter der Matriarchatsthese eingehen. Wie viele Vertreter/innen stützt auch sie sich auf archäologische Quellen um ihre Theorien zu untermauern. Jedoch ist die Argumentationsbasis zumeist sehr dünn, da es sich um einen wilden Mix aus archäologischen Funden, neuinterpretierten Mythen, Ergebnissen von sprach- und religionswissenschaftlichen Untersuchungen und von ethnografisch beschriebenen modernen, matriarchalen Gesellschaftsformen handelt. Da sich diese Argumente auf zum Teil jüngere Phänomen beziehen, ist die Ablehnung der Archäologie und der historischen Wissenschaften bezüglich der Matriarchatsliteratur zu verstehen.

Im Kern dieser Diskussion steht die Frage: Wie nachweisbar ist ein Matriarchat oder eine matriarchale Gesellschaftsstruktur aus der Sicht der Archäologie? Gerade die paläolithischen und neolithischen Steinfigurinen geben der Wissenschaft viel Spielraum für Interpretationen. Die Matriarchatsforschung macht sich das zu Nutzen und verwendet die weiblichen Statuetten als Beweis für eine frauenzentrische Urgeschichte. Genau dieses Spannungsfeld zwischen den Archäolog/innen und den Matriarchatsvertreter/innen möchte ich kurz erläutern.

Doch wie hat das urzeitlich angesetzte Matriarchat Einzug in die Keltenrezeption gehalten? Wie allgemein bekannt ist, werden die Kelten in die späte Hallstattzeit und Latènezeit verortet und nicht in die Urgeschichte. Wie kam es zum Klischee des „keltischen Matriarchats“? Kann denn ein „keltisches Matriarchat“ sinnvoll argumentiert werden?

Die Argumente, auf die sich die Matriarchatsforschung stützt, sind meist einfach zu widerlegen. Das Klischee, das die Keltischen die matriarchale Kultur der Urzeit weitergeführt haben, ist somit nicht haltbar.

Aus dem Blickwinkel der Urgeschichtsforschung mutiert das Matriarchat letztendlich zur Glaubensfrage. Wer daran glauben will, wird immer einen Weg finden eine matriarchale Vergangenheit in den archäologischen Funden, keltischen Mythen und sprachwissenschaftlichen Quellen auszumachen.

Mag. Cornelia Kleiber hat im Sommer 2012 ihr Studium der Keltologie an der Universität Wien abgeschlossen. Sie war bei Lehrgrabungen in Meillionydd in Nordwales und in Bibracte in Burgund tätig. 2011 wirkte sie beim FWF-Projekt „Altkeltische Sprachreste in Österreich“ zusammen mit Dr. David Stifter mit. Im Auftrag von Dr. Peter Ramsl arbeitete sie am Projekt „Kelten im Traisental“, um eine Datenbank der Grabfunde zu erstellen. 2013 hielt sie zusammen mit Prof. Raimund Karl und Mag. Olivia Senk eine Vorlesung zum Thema der keltischen Archäologie im heutigen Frankreich. Ihre Forschungsinteressen sind in der gallischen Archäologie verortet, insbesondere in den Heiligtümern und dem Bestattungskult der Gallier.