• 71 The Last Turkish Sultans
    57:00
  • MP3, 256 kbps
  • 104.37 MB
Diese Datei enthält urheberrechtlich geschütztes Material Dritter und kann daher nicht heruntergeladen werden.

71. Sendung (Erstausstrahlung: November 2014)

The Last Turkish Sultans – zu Ehren an Nesuhi & Ahmet Ertegün

Die Gebrüder Nesuhi Ertegün (1917-1989) und Ahmet Ertegün (1923-2006) waren die Begründer vom ausgewiesenen amerikanischen Plattenlabel „Atlantic Records“. Sie kamen mit ihrem Vater, dem türkischen Botschafter unter der Regierung von Mustafa Kemal Atatürk, in zartem Alter nach Washington und hatten 1947 zusammen mit Herb Abramson die Firma „Atlantic Records“  in ihrer Schulzeit gegründet, die sich bald zu einem der führenden Plattenlabels für Jazz und R&B entwickelte. Das weltweite Firmenkonsortium „Atlantic“ mit den Sublabels „ATCO“ (kurz für „Atlantic Company“), „Vortex“, „Embryo“ und „East/West“entwickelte sich zu einem der ganz großen Labels der Populärkultur und Unterhaltungsindustrie der USA. Mitte der 1950er Jahre stieß der Mitproduzent und innovative A&R-Manager Gerald „Jerry“ Wexler dazu, der sich vorwiegend um die sog. „Race Records“ fürs schwarze Publikum kümmerte. Bei „Atlantic“ war der Jazzfan Nesuhi Ertegün vor allem in der Jazz-Abteilung des Labels tätig, die er selbst ins Leben gerufen hatte. Zu den Interpreten, die er über drei Jahrzehnte betreute und produzierte, gehörten neben den Rivival-Oldtimers aus New Orleans – etwa Wilbur de Paris, Punch Miller, George Lewis, Kid Ory, Paul Barbarin – auch die jungen, aufstrebsamen Soulsänger Lavern Baker, Little Miss Cornshucks, Aretha Franklin, Big Joe Turner und vor allem Ray Charles zu den Fixsternen der Firma „Atlantic“. Ruhm erlangte das Label auch mit seinen berühmten Aufnahmen von John Coltrane (Giant Steps, Olé), Charles Mingus (Blues & Roots, Oh Yeah!), dem Modern Jazz Quartet (The Sheriff, MJQ meets Jimmie Giuffre), Ornette Coleman (The Shape of Jazz to Come, Free Jazz), Roland Kirk (Left & Right), Yusef Lateef (Detroit Lattitude 42° 30‘ Longitude, Gentle Giant), Carmen McRae (Portrait of Carmen, The Sound of Silence), Hank Crawford (More Soul, Soul Clinic, After Hours), Eddie Harris (The In-Sound, Plug me in, Mean Greens), Les McCann (Swiss Movement), Herbie Mann (Memphis Underground), Joe Zawinul (Money in the Pocket, Rise & Fall of Third Stream) und vielen weiteren; nebenbei produzierte man weiterhin R&B-Alben mit ihren großen Stars: Bobby Darin, Drifters, Wilson Pickett und Roberta Flack. Später beteiligten sich die Brüder nebenbei auf internationaler Ebene, damit das Label auch in anderen Ländern Profit schlagen konnte. Nach der Fusion von „Atlantic“ mit „Elektra“ und dem Giganten „Warner Brothers“ in Los Angeles im Jahr 1971 leitete Ahmet Ertegün eine Zeit lang WEA/Fillipachi International und fröhnte seiner extravaganten Hobbies, der Leidenschaft als Sammler Moderner Kunst und dem Fußball. Während Ahmet den exklusiven New Yorker Profifußballerklub „Cosmos“ gegründet und mitfinanziert hatte, wurde Nesuhi zum Ehrenmitglied im „Rock & Roll Museum“ in Cleveland (Ohio) gewählt. Jazz is an important musical form …“, sagte Nesuhi noch kurz vor seinem Tod, „…whether there is a big public demand for it or not. I will always sign new artists and continue to work with established ones.“

Musikbeispiele:

John Coltrane: Naima (John Coltrane), rec. NYC 2. 12. 1959
Charles Mingus: Hog Callin‘ Blues (Charles Mingus), rec. 6. 11. 1961
Big Joe Turner: Roll ‘em Pete (Pete Johnson), rec. Kansas City 1951
Ornette Coleman: Ramblin‘ (Ornette Coleman), rec. NYC 9. 10. 1959
Max Roach Trio: 3/4 versus 6/8 Fourways (Hasaan Ibn Ali), rec. NYC 4. 12. 1964
Ted Curson & Bill Barron: Straight Ice (Ted Curson), rec. NYC 25. 3. 1965
Max Roach: Members Don‘t Get Weary (Max Roach), rec.  NYC 1. 7. 1968
Herbie Mann: Memphis Underground (Herbie Mann), rec. NYC 21. 8. 1968

Gestaltung & Am Mikrofon: Helmut Weihsmann
Tontechnik & Produktion: Gernot Friedbacher