• 67 Joe Henderson
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67. Sendung (Erstausstrahlung: Juli 2014)

Mode for Joe – Tribut an Joe Henderson

Längst unsterblich, stand der amerikanische Tenorsaxophonist Joe Henderson (1937-2001) stets im Schatten seiner Zeitgenossen wie John Coltrane, Archie Shepp, Wayne Shorter, Gato Barbieri oder Charles Lloyd. Der hagere und schüchterne Gentleman aus einer kinderreichen Arbeiterfamilie aus Detroit gehörte zu den interessantesten Figuren im Hard Bop im Fahrwasser von John Coltrane. Vom R&B, Kirchenmusik und Soul Jazz kommend, steht Henderson fest auf dem Boden der Tradition der schwarzen Musik beider Kontinente Nord- und Südamerika sowie Afrika. Sein Ton war nahezu grenzenlos variabel und flexibel, von zornig expressivem Zupacken eines Archie Shepps oder Pharoah Sanders bis zum lyrisch verspielten und filigranen Flüstern der Balladen und Standards im Stil des American Songbooks. Nach Studium an der Wayne University in Detroit und absolviertem Militärdienst in Deutschland, folgte er seinem Freund und Gönner Kenny Dorham nach New York, wo sie gemeinsam mit Andrew Hill bei den Jazzfestivals von Antibes, Monterey und Newport große Erfolge gefeiert haben, bevor Joe seine ersten Platteneinspielungen für das legendäre Jazzlabel Blue Note machte, wie Our Thing (1964). 1964-66 arbeitete Henderson auch beim Horace Silver Quintett und bei McCoy Tyner mit, bei welchem die bedeutenden LPs Song for my Father (1964), Inner Urge (1964), The Real McCoy (1967) und sein Debütalbum Page One (1963) auf Blue Note erschienen sind. Weitere kanonische Plattenaufnahmen folgten: Mode For Joe (1966) mit Lee Morgan und Bobby Hutcherson und als Sideman bei Andrew Hills die Aufnahme Point of Departure (1964). Seit Ende der 1960er Jahre erschienen zahlreiche Platten unter seinem Namen als Bandleader, u.a. Tetragon (1967), The Kicker (1968), Power to the People (1969), Live in Japan (1971), etc. Seine Funk inspirierten Alben If You‘re Not Part of the Solution (1970), Black is the Color (1972) und Black Narcissus (1975) widerspiegeln auch seine politische Identifikation mit der schwarzen Protest- und Bürgerrechtsbewegung. Aus dieser fruchtbaren Schaffensperiode werden einige Highlights von Hendersons beispielloser Karriere im Spannungsfeld zwischen freiem und modalen Jazz vorgestellt.

Musikbeispiele:

Blue Bossa (Kenny Dorham), rec. 3. Juni 1963 mit Kenny Dorham (tp)
Song For My Father (Horace Silver), rec. 31. Oktober 1964 mit Carmell Jones (tp)
El Barrio (Joe  Henderson), rec. 30. November 1964 mit McCoy Tyner (p)
A Shade of Jade (Joe Henderson), rec. 27. Jänner 1966 mit Lee Morgan (tp)
Passion Dance (McCoy Tyner), rec. 21. April 1967 mit McCoy Tyner Trio
The Kicker (Joe Henderson), rec. 10. August  1967 mit Mike Lawrence (tp)
Power To The People (Joe Henderson), rec. 23. Mai 1969 mit Herbie Hancock (p)
Relaxin‘ at Camarillo (Charlie Parker), rec. 20. August 1979 mit Chick Corea (p)

Gestaltung & Am Mikrofon: Helmut Weihsmann
Tontechnik & Produktion: Gernot Friedbacher