• 34 Kwela Jazz
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34. Sendung (Erstausstrahlung: Oktober 2011)

Musik aus den Townships – Kwela Jazz

Jazzmusik war in Südafrika viel stärker präsent als sonstwo in Afrika. Johannesburg in der Republik Südafrika ist noch immer das Zentrum der Musikszene vom südlichen Schwarzafrika. Echter amerikanischer Jazz lief dort stets im Radio, tolle Jam-Sessions sowie Tourneen des US-State Departments mit den Jazzgrößen Louis Armstrong, Duke Ellington, Tony Scott, John Mehegan und Claude Williamson fanden statt, und die Schallplatten der US-Stars waren in allen Geschäften käuflich. Außerdem entsprach die Situation der Apartheid den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Farbigen in den USA aufs Haar. Hinzu kam auch ein musikalischer Aspekt: die schwarze Musik- und Popkultur von Südafrika entwickelte sich aus anglo-sächsischen Traditionen: Kirchenmusik, militärische Marschmusik, Swing-Tanzorchester, Bebop und Pop Musik, sowie Rock’n’Roll und Jive. In den schwarzen Ghettos und Minenarbeitersiedlungen am Stadtrand der großen Städte, den sog. „townships„, oder neben den entlegenen Diamantenfeldern entstand auch die neue Musik abseits des weißen Mainstreams. In Arbeiterbezirken, Industriezentren in der Provinz, in Swaziland, Zimbabwe oder in Zambia lebten Menschen aus unterschiedlichen Erdteilen, ethnischen Gruppen und Ländern. Sie brachten jeweils ihre eigene Musikalität mit und trugen somit eine neue urbane Mischkultur in die entlegendsten Ecken dieser Region. Musik gehört nach wie vor zum Alltag der schwarzen Bevölkerung, doch innerhalb der schwarzen Community in Südafrika gibt es erhebliche Unterschiede im Stil, Inhalt und Form der Darbietungen. Mrabi-Musik war ein früher Name dafür, dann nannte man es Mbaqanga. Das waren die Grundlagen für das Entstehen der neuen Musikformen der townships. Spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es jene typische Unterhaltungsmusik der townships, Kwela genannt, die ungemein populär wurde im Zuge einer neueren Modewelle, der sog. Weltmusik. Kwela Jazz oder Shebeen-Musik entstand in den schwarzen Ghettos, Bordellen und (illegalen) Kneipen am Rand von Johannesburg, wo auf unterschiedlichsten Musikinstrumenten wie dem penny whistle (billige Blechflöten der deutschen Firma Hohner) improvisiert wurde. Kwela bedeutet in der Umgangsprache los geht’s! und war auch der Ruf der Polizisten, die bei Razzien auf brutale Menschenjagd gingen. Entsprechend rhythmisch und mitreißend ist der stampende Rythmus und die Synkopen des Kwela-Jazz. In dieser Sendung ist besonders der Einfluss der populären Volksmusik auf den Jazz deutlich zu hören. Die ­wenigen und ungemein seltenen ­ Vinylplatten, die es noch gibt, sind zumeist Studioproduktionen mit so illustren Jazzmusikern wie Abdullah Ibrahim alias Adolph „Dollar“ Brand am Klavier, Trompeter Hugh Masekela, Gitarrist Philip Tabane und die Komponisten Pat Matshikiza und Tete Mbambisa, sowie die Sängerin Miriam Makeba. Der Altsaxophonist Kippie Moeketsi, der Zeit seines Lebens daheim blieb, galt jahrelang als der Exponent dieser für den südafrikanischen Jazz typischen Art des Township Jazz. Sowohl in den Bands Jazz Epistles als auch in Brotherhood of Breath, Early Mabuza und Malombo spielten südafrikanische Musiker unterschiedlichster Hautfarbe in ihrer Heimat zusammen, die später dann ins Exil auswanderten: Gwigwi Mrwebi, Jonas Gwanga, Letta Mbulu, Chris MacGregor, Dudu Pukwana, Louis Moholo, Harry Miller, Johnny Dyani, Makaya N’tshoko und wie sie alle heißen.

Musikbeispiele:

Soul Jazzmen/Tete Mbambisa: Inhlupeko/Distress (Duku Makasi), rec. 1969
Chris Schilder feat. Mankunku: Spring (Chris Schilder), rec. 1968
Early Mabuza Quartet: Maxhegwana/Little Old Man (Pat Matshikiza), rec. 1964
Malombo Jazzmakers: Sibathatu (Lucas Ranku), rec. 1971
Malombo Jazzmakers: Sangoma (Philip Tabane), rec. 1978
Tete Mbambisa: Stay Cool (Tete Mbambisa), rec. 1976
Kippie Moeketsi: Insintu (Gideon Nxumalo), rec. live 1962
Dudu Pukwana: Split Soul (Gideon Nxumalo), rec. live 1962
Gwigwi Mrwebi: Mini Mthembo (Dudu Pukwana), rec. ca. 1966

Gestaltung & Am Mikrofon: Helmut Weihsmann
Tontechnik & Produktion: Gernot Friedbacher