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Um eine politische Überzeugung zu äußern, könnte man etwa versuchen, einen Artikel zu verfassen, an einer Diskussion teilzunehmen oder auch ein Manifest zu veröffentlichen. Wenig zielführend erschiene es hingegen, sich zu diesem Zwecke der Lyrik zuzuwenden. Andererseits scheint offenbar, dass Gedichte, bzw. Literatur im Allgemeinen, auch zahlreiche politische Facetten haben (können), und mitunter eine entsprechende Wirkung gegenüber LeserInnen und Gesellschaft entfalten – womit sich die Frage stellt, wie jene Zusammenhänge von Lyrik und Politik näher beschaffen sein mögen.

Im Rahmen der Veranstaltungs-Reihe ‚Werden Gedichte wie Häuser gebaut?‘ hatte das Stifter-Haus Ende Januar (27.01.2014) die AutorInnen Robert Schindel und Uljana Wolf eingeladen, um Gedichte von Elfriede Gerstl und Ilse Aichinger sowie aus ihrem eigenen Werk zu lesen und Fragen – wie jene nach den politischen Aspekten von Lyrik – zu diskutieren. Hören Sie nun ein Gespräch mit Robert Schindel und Uljana Wolf über Lyrik und Politik, das ‚planetarium‘ im Anschluss an die Veranstaltung geführt hat.

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ROBERT SCHINDEL, geboren 1944 in Bad Hall, lebt in Wien. Sein umfangreiches Werk umfasst Prosa, Lyrik und Essays und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Seine gesammelten Gedichte „Fremd bei mir selbst” erschienen 2004 mit einem Nachwort von Marcel Reich-Ranicki im Suhrkamp Verlag. Zuletzt publizierte er dort den Roman „Der Kalte”, 2013.

ULJANA WOLF, geboren 1979 in Berlin, lebt in New York und Berlin. 2005 erhielt sie mit dem Peter-Huchel-Preis für ihr Debüt „kochanie ich habe brot gekauft” die wichtigste Auszeichnung für deutschsprachige Gegenwartslyrik. Ihre Gedichtbände und literarischen Übersetzungen werden vom Berliner kookbooks Verlag publiziert; zuletzt: „falsche freunde”, 2009, und gemeinsam mit Christian Hawkey: „Sonne From Ort”, 2012.

ELFRIEDE GERSTL, geboren 1932 in Wien; † 9. April 2009 ebenda, war eine österreichische Schriftstellerin. Für ihr Werk erhielt sie u.a. den Erich-Fried-Preis sowie den Literaturpreis der Stadt Wien. Als Kind jüdischer Eltern überlebte sie die Zeit des Nationalsozialismus in Wien in diversen Verstecken.                                                                                                                                          „Ihre schwerelosen, wunderbar leichten Gedichte, haben mir immer wieder gezeigt, daß das Leichte für mich, für viele, zu schwer ist. Und das bei diesem Schicksal!“   (Elfriede Jelinek nach dem Tod von Elfriede Gerstl)

ILSE AICHINGER, geboren 1921 in Wien, ist eine österreichische Schriftstellerin. Mit ihren Erzählungen, Gedichten und Essays gilt sie als bedeutende Repräsentantin der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Während der Zeit des Nationalsozialismus blieb sie an der Seite ihrer jüdische Mutter, um sie als Betreuerin einer noch unmündigen ‚Halbarierin‘ vor der Deportation zu bewahren. Die Großmutter und die jüngeren Geschwister der Mutter wurden 1942 verschleppt und kamen im Vernichtungslager Maly Trostinez in der Nähe von Minsk um.                                                                                                                                                                          [Der] Anblick meiner Großmutter im Viehwagen auf der Schwedenbrücke in Wien. Und die Leute um mich herum, die mit einem gewissen Vergnügen zugesehen haben. Ich war sehr jung und hatte die Gewißheit, daß meine Großmutter, die mir der liebste Mensch auf der Welt war, zurückkommt. Dann war der Krieg zu Ende, der Wohlstand brach aus, und die Leute sind an einem vorbeigeschossen. Das war noch schlimmer als der Krieg.“   (Ilse Aichinger, 1996, im Gespräch mit Iris Radisch in der Wochenzeitung ‚DIE ZEIT‘)

(Kurz-Biographien zu Robert Schindel und Uljana Wolf wurden von www.stifterhaus.at übernommen.)