• Teilwiedergabe Vortrag Erich Klinger über Jura Soyfer
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Hier nun, als „Begleittext“ zur Sendung, die vollständige Moderation. Vor allem gegen Ende zu konnte manches in der Sendung nicht mehr untergebracht werden, auch die Zwischenmusik entfiel aus Zeitmangel. Dafür finden Sie hier nun zahlreiche Informationen vor, die nicht mehr Platz fanden. Erich Klinger.

Willkommen bei der 122. Folge dieser Sendereihe. Katharina Pilar und Erich Klinger begrüssen Sie. Heute auf dem Spielplan: die Teilwiedergabe des Vortrages über Jura Soyfer aus der Reihe „Dichter über Dichter“.
Mehr davon nach einer kurzen Musikbrücke mit Moriarty und.Noi Siamo Zingarelle (md, track 6)

Bereits zum 23. Mal stand heuer die Reihe „Dichter über Dichter“ in Zusammenarbeit von Volkshochschule Linz und Grazer Autorinnen Autoren Versammlung auf dem Programm. Letztmalig kuratierte Walter Pilar diese seit 1988 existierende Reihe mit der im Grunde nicht mehr korrekten, leicht irreführenden Bezeichnung. Über 90 Vorträge waren es, die unter dem Markenzeichen „Dichter über Dichter“ zu hören waren, Teile davon scheinen in der 1998 in der Edition Selene erschienenen bislang einzigen Anthologie auf.
War auch das heurige Programm tatsächlich „männlich dominiert“, so war es ingesamt durchaus eine Reihe mit etlichen besprechenden und besprochenen Autorinnen, wovon auch die ausgewählten Mitschnitte, die in „Summerau,96″ zu hören waren, zeugen.
Das Programm 2010 lautete jedenfalls wie folgt:
Olaf Velte über Wilhelm Raabe; Erich Klinger über Jura Soyfer; Evelyn Holloway über Samuel Beckett
sowie Rolf Schwendter über Allen Ginsberg, gleichzeitig der letzte Abend mit Walter Pilar als Kurator von „Dichter über Dichter“.

Vorerst wird die Reihe durch Christian Muckenhuber, der seitens der Volkshochschule auch schon geraume Zeit mit der Durchführung be- und vertraut ist, weitergeführt, ob unter der bisherigen oder mit einer neuen Bezeichnung, ist noch nicht geklärt.
Muckenhuber hat die Reihe übrigens Mitte der 1990er Jahre von Peter Leisch, der zum Kulturamt der Stadt Linz wechselte, übernommen. Leisch ist dort aktuell für Kunst-, Kultur- und Projektförderung zuständig.
Und Christian Muckenhuber war es auch, der 1998 – damals selbstverständlich noch im Kremsmünsterer Stiftshaus – den ersten Vortrag, den Erich Klinger in „Dichter über Dichter“ halten konnte, einleitete.
Dieser Vortrag war Milena Jesenska gewidmet.
2010 und zwölf Jahre später sprach Erich Klinger, Autor, Sendungsgestalter und, wie er selbst meint, ein idealer Kandidat fürs bedingungslose Grundeinkommen, über Jura Soyfer.
Auch dieser, wie Jesenska, eine Person, die das „III. Reich“ nicht überlebte. Während Jesenska im Mai 1944, nach jahrelanger Haft in Gefängnissen und Lagern, in Ravensbrück starb, kam Jura Soyfer bereits im Februar 1939 in Buchenwald zu Tode.
Sie hören nunmehr eine Teilwiedergabe des Vortrages, den Erich Klinger am 21. Jänner im Linzer Wissensturm über Jura Soyfer hielt. (Schnittfassung Vortrag, Gesamtzeit etwas über 50`)
(Eingefügte Zwischenmoderation zwischen Reportage Anti-Kriegs-Museum und Auszug aus „So starb eine Partei)

Kurze Zwischenmusik: Moriarty – Noi Siamo Zingarelle II (md, track 10)

Soweit die teilweise Wiedergabe des Vortrages von Erich Klinger über Jura Soyfer im Rahmen von „Dichter über Dichter“ am 21. Jänner 2010. Diese Sendung wird unter cba.fro.at im Archiv von Radio FRO nachzuhören sein, ebenso weitere Mitschnitte dieser Reihe aus früheren Jahren.
Zuletzt hörten wir Otto Tausig, am Klavier begleitet von Dieter Kvasnicka, mit dem „Lied des Häuptling“ aus seiner Fassung der Broadway-Melodie 1492 – der soyferschen Bearbeitung eines Stückes von Walter Hasenclever und Kurt Tucholsky, Aufnahme 1. März 2009, Rote Bar im Volkstheater Wien.
Diese Aufnahme ist übrigens eine Rarität, weil der Film-Mitschnitt der Jura Soyfer Gesellschaft an diesem Abend tontechnisch nicht entsprechend war.
Die Aufnahme mit Otto Tausig wurde daher später in der VHS Brigittenau – ein legendärer Ort für Soyfer-Aufführungen (Qualtinger, Schmetterlinge) wiederholt.
Von Otto Tausig gibt`s über Extraplatte eine Kassette mit Texten von und Liedern nach Texten von Jura Soyfer, zudem die Schmetterlinge mit „Verdrängte Jahre“ nach Texten von Soyfer. Im Vortrag vergessen, jedoch durchaus noch aktuell Sabine Hank und Willi Resetarits mit Abendliedern nach Texten von Soyfer.
Die gesammelten Werke von Jura Soyfer werden im Herbst neu aufgelegt – einschließlich der DVD mit Otto Tausig und der Broadway Melodie 1492. Ab diesem Zeitpunkt werden dann die Rechte aller Texte von Soyfer bei der Jura Soyfer Gesellschaft liegen.
Wem die Tonträger bzw. die auch einzeln erhältliche DVD zuwenig sind, kann über den Buchhandel drei der vier Bände der letzten Gesamtausgabe im Deuticke Verlag bestellen, „Zwischenrufe links“, Lyrik, „So starb eine Partei“, Prosa und „Sturmzeit“, Briefe 1931 bis 1939 sind noch erhältlich – leider vergriffen der Band mit den Stücken und Szenen „Auf uns kommt`s an“.
Über Jura Soyfer gibt`s einiges an Sekundärliteratur und Publikationen, zuletzt u.a. „Jura Soyfer und die Alte Welt“ mit Beiträgen aus Symposien und der bereits erwähnten DVD, Herausgeber: Herbert Arlt.
Womit wir bei der Jura Soyfer Gesellschaft angelangt sind, deren Homepage unter www.soyfer.at eingesehen werden kann.
Interessant auch der Wikipedia-Eintrag zu Soyfer auf Hausruckviertlerisch, zu finden unter http://bar.wikipedia.org/wiki/Jura_Soyfer. Dieser Eintrag ist nicht nur der Sprache wegen interessant, sondern auch deshalb, weil er etwas ausführlicher ist (z.B. verschollene Stücke) als der hochdeutsche Wikipedia-Eintrag.
Nochmals zum Vortrag von Erich Klinger über Jura Soyfer: Auch die anschließende Diskussion, das Gespräch soll hier, zeitlich bedingt, wenigstens durch eine kurze Zusammenfassung Erwähnung finden.
Gesprochen und diskutiert wurde u.a. darüber, nach welchen Kriterien man die Lyrik von Soyfer „bewerten“ solle, nach Form oder Inhalten? Gerade in seiner tagespolitischen Arbeit war Soyfer eher um Verständlichkeit bzw. um den Transport von aktuellen Inhalten denn um „dichterisches Schaffen“ bemüht, was manche der ZuhörerInnen durchaus gut fanden, andere wiederum rieben sich am „Dichter“ Soyfer.
Walter Pilar stellte fest, dass die Stücke von Soyfer im Vortrag eindeutig zu kurz gekommen waren, im Gegensatz zur „Form und Inhalt-Debatte“ gab hier der Vortragende dem Kurator ohne Umschweife recht.
Interessant war auch der Diskurs zu den Fragen, wie bedeutend und einflußreich Soyfer zu Lebzeiten war, wieviele Menschen er tatsächlich erreichen konnte, und wie es heute mit dem Einfluß von Autorinnen und Autoren auf die „breite Masse“ aussieht bzw. ob und wer von den in Österreich lebenden Schreibenden eine ähnliche Funktion wie Soyfer in der Zwischenkriegszeit einnimmt.
Auszugsweise Resultate: Ja, Soyfer wurde nicht nur „in kleinem Kreis“ wahrgenommen, vor allem nicht bis 1934, bis zum Zeitpunkt des Verbotes der Arbeiterparteien und des Beginns der eigenen illegalen politischen Tätigkeit; und: wir leben in ganz anderen Zeiten, unmittelbare Vergleiche sind nur mit grösster Vorsicht anzustellen, es gibt auch heutzutage doch einige Schreibende, die sich einmischen, allerdings mit anderen Mitteln, Wolf Martin erreicht mehr Menschen als die heutigen Autorinnen und Autoren….
Schlusspunkt. Soyfer ist, nicht in allen, aber doch in vielen seiner Arbeiten – natürlich auch in den Stücken – ein überaus zeitgemäßer Autor. Keiner, den man zuerst „entstauben“ muss, um ihn verständlich zu finden. Er wird auch „anderswo“ verstanden, wie zahlreiche Übersetzungen bzw. das Interesse von Menschen auf dem ganzen Globus belegen.

In der April-Ausgabe von Summerau,96 hören Sie, wiederum als Teilwiedergabe, den Mitschnitt einer Veranstaltung aus dem Stifterhaus mit:
Radek Malý (Olomouc/Olmütz): „Kleine Finsternis“. Lyrik und Prosa sowie Jana Vébrova (Hrádek nad Nisou): Gesang und Akkordeon, Organisation und Moderation: Richard Wall.
Summerau,96 am 14. April, 19 Uhr auf Radio FRO.

Musikalischer Schlusspunkt: Moriarty mit „That`s love for you“ (CD, track 12)
Katharina Pilar und Erich Klinger danken fürs Zuhören.