• Radio skug_02_ITC
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Vorbericht über das Festival Into The City (ITC), das von 11. Mai bis 15. Juni in Wien stattfinden wird. Länderschwerpunkte sind heuer Marokko, Palästina, Burma, Malaysien, Syrien, Russland und Ungarn. Die Situation in den arabischen Ländern nimmt einen Schwerpunkt bei ITC ein, dem sogenannten Arabischen Frühling, der auch – etwas reißerisch – immer wieder als „Arabellion“ bezeichnet wurde. Als Einstieg in das Thema eine Interviewsequenz mit Layla Al-Zubaidi. Sie war Leiterin des Heinrich-Böll-Instituts in Beirut und ist Expertin für Entwicklungs-, Kultur- und Medienfragen des vorderen Orients. Das Interview stammt aus einem Fachgespräch des Bayrischen Landtags 2012.

Tigresse Flow ist eine der ganz wenigen rein weiblichen Rap- und HipHop-Crews aus Marokko. Eine der Protagonistinnen von Tigresse Flow ist die aus Rabat stammende Soultana, eine der Pionierinnen des marokkanischen HipHops. Der Track nennt sich „Maghrebya“.

Von „Maghrebya“ zur „Sante Cesario Ballade“ von Arkadiy Kots Band. Die 2010 gegründete russische Formation lässt sich dem Protest-Folk und Agit-Prop zuordnen, ihre Lieder erzählen vom „alten“ Russland und erlangten im Zuge der Pussy-Riot-Kontroversen in Russland umso intensivere Aktualität.

Mit den französisch-deutschen Irie Révoltés ist eine junge Band am Start des ITC, die gerade ihr Album „Allez“ veröffentlicht hat. Sie traten u.a. beim Anti-G8-Gipfel in Rostock auf. Hier trifft politische Agitationen auf jugendlichen Elan in der Tradition von Ska und Punk. Programmatisch dazu der Track „Resisdance“ von der Platte „Allez“.

Im Doppelpack: „Gib ihn weg“ der deutsch-türkischen Rapperin Ebow X und „Kein Mensch ist illegal“ feat. Perspectives von Chaoze One. Ebow vereint westliche mit orientalischen Perspektiven und lässt auf oft ironische Weise Klischees zwischen den Kulturen und den Geschlechtern Revue passieren. Chaoze One ist politischer Deutsch-Rap von einem Sänger und Musiker mit dezidiert soziopolitischem Anspruch.

Brisant geht es weiter: „Al Kuffiyeh Arabyeh“ der palästinensisch-britischen Rapperin Shadia Mansour. In ihren Texten geht es v.a. um die Situation im Nahen Osten. „Al Kuffiyeh Arabyeh“ ist ein Track, in dem Mansour die Kuffiyeh als Signet arabischer Kultur beschreibt. Die Kuffiya, bei uns besser bekannt als „Palästinensertuch“, wird darin zu einem Statement für den Konflikt um die Eigenständigkeit des Nahen Ostens, auch und besonders vor dem Hintergrund um die Eigenstaatlichkeit Palästinas gegenüber Israel. Eine Nummer, fast schon wie eine Lunte am Pulverfass der krisengeschüttelten Region.

Ein geografischer Mitstreiter zu Shadia Mansour ist DJ Lethal Skillz. Der libanesische DJ gilt als einer der prononciertesten Turntablisten des arabischen Raums. Er war Gründer u.a. des Kollektivs 961 Underground. Wir hören jetzt einen Ausschnitt aus einem Interview mit DJ Lethal Skillz. Geführt wurde es von Hassane Dennaoui aka Big Hass, einem HipHop-Aktivisten aus Saudi Arabien, der 2009 den Online-Blog Re-Volt gründete, aus dem sich eine Radioshow über arabischen HipHop entwickelte. Daran anschließend kommt die Nummer „Re-Awakening“ von DJ Lethal Skillz feat. WMD.

Machen wir aber einen großen Sprung vom Libanon zu straight outta Linz zu Texta mit „Der Die Des“. Gleich darauf: Das ITC featured klarerweise auch heimische Formationen, und eine der einflussreichsten war und ist Drahdiwaberl. Der 1969 vom Wiener Zeichenlehrer Stefan Weber gegründeten „Schockrocker“-Band ist im Rahmen des Festivals eine Ausstellung gewidmet. Bezeichnenderweise nennt sich diese Personale zu Weber „Blutrausch“, so wie die gleichnamige Compilation-Platte, die 1979 erschienen war und als eine der allerersten österreichischen Punk-Platten gilt. Aus „Blutrausch“ gibt es deren bissig-schalkische „Kaiserhymne“. Und dann ein Ausschnitt aus einem Interview mit Thomas Meinecke über Patriotismus, geführt vom Radiomoderator Klaus Walter.

Schritt zurück in die Geschichte. Ein Abend des ITC ist dem „Popmuseum“ gewidmet. Eine Veranstaltung, die von Wolfgang Kos, Direktor des Wien Museums und vormals langjähriger Produzent von Ö3-Sendungen wie „Musicbox“, geleitet wird. Zu hören gibt es „CIA Man“ der amerikanischen Band The Fugs. The Fugs waren in den mittleren und späten 1960ern eine dezidiert politische Gruppe, die für ihre bissigen Songtexte, exaltierte Bühnenshows und soziales Engagement bekannt war.

Die USA sind auch eines der Hauptthemen bei Azhar Usman. Der aus Chicago stammende Stand-Up-Comedian brachte es mit seiner 2001 zum ersten Mal aufgeführten Show „Allah made me funny“ zu Berühmtheit. Usman macht sich darin über Westler genauso lustig wie über Moslems.

Am Schluss: „Yaka Yaka“ von Mamadou Diabaté. Der aus Burkina Faso stammende Diabaté wurde vor einigen Jahren in Österreich heimisch. Damit hat die Alpenrepublik nun auch einen Virtuosen auf dem Balafon aufzubieten. Mit seiner Formation Percussion Mania erhielt Diabaté 2011 den Austrian World Music Award.

Sämtliche der in dieser Stunde gespielten Musikerinnen und Musiker sind auf dem ITC zu hören und zu sehen. Das campus und cityradio 94.4 ist Medienpartner des ITC und überträgt sämtliche 13 Veranstaltungsabende mit Diskussionen und Konzerten live. Dazu gibt es pro Abend gut eineinhalb Stunden Live-Radio. Von 17h30 bis 22h30 gibt es das ITC-Festivalradio.

Auf www.intothecity.at sind sämtliche Infos zu diesem mit Live-Musik, Diskussionen, Filmreihen, DJ-Workshops und Straßen-Performances sehr umfangreichen Festival zu globaler Musik zusammengefasst.