• Radio skug_Benzo_2
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Teil 2 des zweistündigen Features über den russischen Soundforscher, Psychoanalytiker und Philosophen Richardas Norvila aka Benzo

Benzo ist ein Ein-Mann-Projekt von Norvila. Das russische Wort „Benzo“ steht für „Benzin“, im übertragenen Sinn für Energieaustausch. Im Projekt Benzo werden ausschließlich Synthesizer aus Sowjetzeiten verwendet und Effektgeräte, die speziell dafür angefertigt wurden. Es handelt sich also um Prototypen. Es sind Geräte, die er dem Vergessen entreißt und solche, für die Freaks im Westen ihre Plattensammlungen veräußern würden. Für ihn sind diese Synthesizer quasi Klienten, die ihre eigene Geschichte erzählen. Benzo ist also eine sowohl historische wie aktuelle musikalische Kommunikation über die Befindlichkeiten der russischen Gesellschaft, versinnbildlicht im Schmelztiegel Moskau. Benzo ist eine Gruppenpädagogik über elektronische Musik.

Spätestens mit der VÖ „The Dust“ als Doppel-12“ und limitierte CD hat Benzo auf den internationalen Dancefloors aufgesetzt. Norvila entlockt seinen Patienten aka alten russischen Synthesizern rudimentäre Electro-, Techno- und House-Stimmungen, die auch von Underground Resistance stammen könnten. Benzos Soundsprache weht aus einer ähnlichen Techno-Steinzeit herüber wie Drexciya, erweitert allerdings im transkontinentalen Beat-Verständnis um eine nennen wir’s mal soziologische Perspektive auf elektronische Tanzmusik. Die Platte vereint als Co-Produktion mit der norwegischen Sex Tags Mania-Crew drei brandneue Tracks, Ausgewähltes von Benzos CD „The Tapes“ (Laton, 2004) und diverse Remixe; Also ein umfassender Status quo des umtriebigen Soundforschers. Wobei man hier eher von Versions als von Tracks sprechen sollte: Es ist ein permanentes Fortspinnen von Rhythmuseinheiten, seltsamen Samples und irregeleiteten Beatkomplexen. Man höre sich nur das zehnminütige „Fireman’s Dream“ an, das mit ultra-reduzierten Dub-Beats und den Audio-Schlieren von altem Vinyl Reminiszenzen Richtung Rhythm& Sound aufspannt. „Summertime“ in der Skeleton-Mania-Version passt ideal ins DJ-Set zwischen The Final Frontier und Jeff Mills. Mit „Sibiria“ im Mania-Remix geht es zwölf Minuten lang als perfekte Dancefloor-Nummer in die Grauzone zwischen Tribal-gedeutetem Permafrost und schwitzender House-Disco. Ein Killer. Eine Pflichtplatte, super Diskursgewinn inklusive.

Produziert am:
11. Dezember 2012
Veröffentlicht am:
23. Januar 2013
Thema:
Kultur Medienkunst
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RedakteurInnen:
Heinrich Deisl
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Heinrich Deisl
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